Sie machten nur 8 Prozent der Bevölkerung im "Reich" aus, stellten aber 14 Prozent der SS und waren gar zu 40 Prozent unmittelbar an der Tötungsmaschinerie beteiligt: Die Mehrheit der Österreicher unterstützte bis zum bitteren Ende das Anschlussregime Hitlers, vor allem seine Wirtschafts- und Sozialpolitik und die Judenverfolgung. Bukey räumt in seinem sorgfältig recherchierten, engagiert und verständlich geschriebenen Buch endgültig mit dem lange Zeit gepflegten Mythos auf, Österreich sei im Zweiten Weltkrieg bloß "Opfer" gewesen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 17.06.2002
Erst mit dem "Fall Kurt Waldheim" Ende der achtziger Jahre begann in Österreich eine systematische Aufarbeitung der NS-Zeit, weiß Sybille Steinbacher. Seither sind eine ganze Reihe von Studien über die Rolle Österreichs im Nationalsozialismus erschienen. Diesen Untersuchungsreigen hat der Professor für Geschichte an der University of Arkansas, Evan Burr Bukey, eine weitere hinzugefügt, berichtet die Rezensentin. Sie findet diese Studie "solide", aber "nicht durchgehend überzeugend". Überzeugt aber haben sie die "breite Rezeption der Forschungsliteratur" und die "Fülle an recherchierten Quellen" sowie die "klare Sprache" des Autors. Kritik äußert Steinbacher an dem "eher nichtssagenden" deutschen Untertitel und überhaupt an der Übersetzung, die zu viele Amerikanismen enthalte und manch sachliche Unstimmigkeit aufweise, wenn beispielsweise Heydrich als Himmlers Stellvertreter benannt werde. "Unzureichend" findet die Rezensentin auch die "analytische Kategorienbildung" in dieser Studie, denn gerade die ermögliche erst eine klare Bewertung und Einschätzung der Vorgänge in Österreich. Trotzdem aber empfiehlt Steinbacher die Lektüre dieser Untersuchung, denn immerhin habe Bukey bestehendes Wissen über "Hitlers Österreich" "konzise" zusammengefasst.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.06.2001
Gabriele Anderl begrüßt es zwar sehr, dass hier zum ersten Mal der Versuch unternommen wurde, das Meinungsklima in Österreich während der Zeit des Nationalsozialismus und die "Akzeptanz des Anschlusses und der nationalsozialistischen Ideologie in der Bevölkerung" systematisch zu untersuchen. Doch insgesamt hat die Rezensentin offenbar wenig Neues in diesem Buch entdeckt. Ihrer Ansicht nach hätte der Autor in vielerlei Hinsicht mehr ins Detail gehen müssen, denn die "jeweiligen Rahmenbedingungen und historischen Voraussetzungen", etwa in den einzelnen Regionen oder "sozialen und ideologischen Gruppen" werden nach ihrem Bekunden in diesem Buch viel zu wenig unter die Lupe genommen. Darüber hinaus bemängelt sie zahlreiche begriffliche Ungenauigkeiten, etwa wenn vom Salzburger "Festival" die Rede ist anstatt den "Salzburger Festspielen" oder der "Mühlviertler Kaninchenjagd", wenn die "Mühlviertler Hasenjagd", die Hetze auf aus dem KZ Mauthausen entflohene Offiziere, gemeint ist. Insgesamt kann Anderl den meisten Thesen des Autors zwar zustimmen, doch letztlich bleiben für sie in diesem Buch "viele Fragen offen".
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