Am 29. März 1945 erschossen drei Angehörige der Waffen-SS-Division "Wiking" mindestens 57 ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter im burgenländischen Deutsch Schützen. Einer der mutmaßlichen Täter hieß Adolf Storms. 63 Jahre nach dem Massenmord gelang es Walter Manoschek, mit Storms und zwei weiteren beteiligten HJ-Führern zu sprechen. Er interviewte Storms insgesamt 15 Stunden vor laufender Kamera, bereits zuvor verständigte er die Staatsanwaltschaft. Adolf Storms wurde im Herbst 2009 in Dortmund wegen Mordes und Beihilfe zum Mord angeklagt. Er verstarb kurz vor Prozessbeginn im Juni 2010.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 18.03.2015
Norbert Mappes-Niediek staunt, wie nah der Autor in seinem Interview des SS-Mannes Adolf Storm dem Ungeheuerlichen kommt. Letztlich fehlt Walter Manoschek jedoch die psychologische Unterstützung, um dem Judenmörder Storm, seiner Motivation und seinem Verdrängen (oder ist es schlicht Lüge?) auf die Spur zu kommen, meint der Rezensent. Die Behutsamkeit des Interviewers, auf die Mappes-Niediek auch bei der Suche des Autors nach Erklärungen für die Erinnerungslücken des Mörders stößt, ist für den Rezensenten jedoch bemerkenswert. Und den viel gehörten Satz: "Das versteht ihr ja doch nicht", mit dem die Verbrecher von damals der nächsten Generation gegenübertraten, der erscheint dem Rezensenten nun immerhin viel einleuchtender.
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