Sich verstecken - was bedeutet das tatsächlich? Und was bedeutete es für Jüdinnen und Juden, die in der Zeit des Nationalsozialismus, am Leben bedroht, entschieden, unterzutauchen?Wie viele waren sie, wer half ihnen, wie viele überlebten den Naziterror? Welche Auswirkungen hatte das jahrelange Verstecken auf die Psyche der Betroffenen und wie ging man nach dem Ende des Krieges mit den Überlebenden um? Brigitte Ungar-Klein beantwortet diese Fragen in der ersten umfassenden Studie über Verfolgte des NS-Regimes, die in Wien untertauchen konnten. Sie führte zahlreiche Interviews und Gespräche mit Überlebenden und deren Helferinnen und Helfern, den stillen Helden, und verarbeitete unzählige schriftliche Quellen. Ungar-Klein erzählt die Geschichten der Untergetauchten und der Helfenden und bringt so erstmals ein verborgenes Universum ans Licht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.10.2019
Johannes Koll empfiehlt die Lektüre der Dissertation der Historikerin Brigitte Ungar-Klein über jüdisches Leben im Verborgenen im Wien um 1938. Zu lernen ist laut Koll nicht nur etwas über den "aggressiven Antisemitismus" der Wiener, über die Versteckorte und Bedingungen des Lebens in der Illegalität und Isolation, sondern auch über die Nachwirkungen, die Traumata und den Mangel an Schuldbewusstsein nach dem Krieg. Anschaulich wird das Buch für Koll durch die Einbindung von Zeitzeugeninterviews, umfangreichem Archivmaterial und die Gespräche mit überlebenden "U-Booten", die die Autorin führen konnte. Das Fehlen eines Personenregisters und die ein oder andere unbefriedigende Literaturangabe oder Erläuterung schmälern den Wert des Buches nicht, findet Koll.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.07.2019
Als "U-Boote" werden jene Menschen bezeichnet, die bei anderen untertauchen müssen, da ihr Leben bedroht ist, klärt Rezensent Michael Schrott auf. Naturgemäß gibt es über diese Schicksale, von Ausnahmen wie dem Tagebuch der Anne Frank abgesehen, kaum Aufzeichnungen, fährt der Kritiker fort, der die Rechercheleistung der Historikerin Brigitte Ungar-Klein umso mehr lobt. Zunächst im Bekanntenkreis recherchierend, suchte die Autorin Kontakt zu Zeitzeugen, durchforstete Archivbestände und beleuchtete für ihre Dissertation die Schicksale der untergetauchten Wiener Juden ebenso wie diejenigen ihrer Helfer. So erfährt Schrott hier vom Überlebenskampf auf engstem Raum, Angst, Motivation der Helfer und dem jahrzehntelangen Warten auf Entschädigung.
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