Für den amerikanischen Moralphilosophen Peter Singer war sein Großvater immer ein Unbekannter: 1943 wurde David Oppenheim, ein klassischer Gelehrter sowie Mitarbeiter und später Gegner Sigmund Freuds, von den Nazis in einem Konzentrationslager ermordet. Singer hat sich auf den Weg zu seinem Großvater gemacht und dabei das jüdische Wien zwischen Fin de Siecle und der Nazi-Okkupation entdeckt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.03.2005
Durchaus positiv beurteilt Rezensent Alexander Kissler dieses Buch des australischen Philosophen Peter Singer über die Geschichte seiner Wiener Großeltern, die in Theresienstadt ermordet wurden. Da Singer, Sohn österreichischer Juden, wegen seiner Bioethik höchst umstritten ist und mitunter als "Vordenker der Vernichtung", der das nationalsozialistische Euthanasie-Programm wiederbelebe, kritisiert wird, stellt sich für Kissler natürlich die Frage, ob dieses Buch nur eine Rechtfertigung in eigener Sache ist, ein Buch also, "das die Welt nicht braucht". Das kann er so nicht bejahen. Ausführlich schildert er das Leben von Singers Großeltern, der Mathematiklehrerin Amalie Pollak, und des Altphilologen David Oppenheimer, beide entschiedene Gegner und Opfer des Nazi-Regimes. Zwar zählt Kissler Singers Buch "nicht unbedingt zu den Höhepunkten der Memorialliteratur". Er nennt es "hölzern im Ton", "derb in seinen Personenbeschreibungen", "zu beiläufig" in der Abhandlung philosophischer Fragen. Dennoch fühlt sich Kissler von der Lektüre "bereichert und bewegt". In der Geschichte von Amalie und David nämlich findet er eine "eindrückliche Erinnerung an die Welt vor der Shoah und an die Shoah, an den wunderbar vielfältigen deutsch-jüdisch-österreichischen Kulturraum, den es nie wieder geben wird." Peter Singers "monströse Bioethik" bleibe davon unberührt.
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