Evelyn Roll

Pericallosa

Eine deutsche Erinnerung
Cover: Pericallosa
Droemer Knaur Verlag, München 2023
ISBN 9783426277980
Gebunden, 432 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Evelyn Roll beschäftigt sich über Jahre nahezu obsessiv mit der Funktionsweise von Gehirn und Gedächtnis, - als hätte sie es geahnt und sich vorbereitet auf den Tag, an dem eine Arterie in ihrem Gehirn platzt. Wie durch ein Wunder überlebt sie die anschließende Notoperation und kämpft sich zurück ins Leben. Dabei kommt sie auch ihrem eigenen Gedächtnis neu auf die Spur, denn das Monster in ihrem Kopf, ein Aneurysma Pericallosa, scheint freigelegt zu haben, was lange verschüttet war: die verdrängten Erinnerungen, blinden Flecken und Geheimnisse ihrer Familie und ihrer eigenen Generation. In ihrer Erkundung stößt Evelyn Roll dabei auch auf einen verleugneten Teil ihrer selbst. Eine deutsche Geschichte über die Macht der Erinnerung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.10.2023

Ein großartiges Buch ist Evelyn Roll gelungen, findet Rezensentin Petra Pluwatsch. Es geht der Autorin laut Pluwatsch darum, einen offensichtlich metaphorischen Godzilla aus ihrem Kopf herauszubekommen. Dieser Godzilla hängt mit Rolls Familiengeschichte zusammen, erfahren wir: Die ehemalige Redakteurin der Süddeutschen Zeitung gehört der Boomer-Generation an und litt wie viele Gleichaltrige unter dem Schweigen der Eltern über Krieg und Nationalsozialismus. Roll hat die Geschichte ihrer Familie recherchiert, heißt es weiter, und dabei einiges zutage gefördert, was ein neues, nicht immer vorteilhaftes Licht auf ihre Eltern und Großeltern wirft. Keineswegs macht die Autorin ihren Eltern nachträglich Vorwürfe, meint Pluwatsch, vielmehr möchte sie ihre Familienangehörigen besser verstehen und die Mechanismen der Verdrängung überwinden.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.09.2023

Rezensent Nils Minkmar lässt sich mit Evelyn Roll auf die Entdeckung ihres zweiten Lebens ein: Die Journalistin hat ein gefährliches Aneurysma, das titelgebende Pericallosa, überlebt, die Konfrontation mit dem möglichen eigenen Tod regt dazu an, die wirklich bedeutenden Fragen zu stellen und ihnen nachzugehen. Bei der genauen, sich selbst gegenüber fast rücksichtslosen Schilderung des Erlebten muss Minkmar manches Mal schlucken, begibt sich aber gerne mit der Autorin in dieses "zweite Leben", in dem sie den Spuren ihrer Existenz bis zur Geschichte ihrer Eltern in Polen nachspürt und zugleich die Neurologie nach ihren Erkenntnissen zu Erinnerungen und Gefühlen befragt. Die Bedeutung von Liebe und Zuneigung für ein Menschenleben schwingt dabei immer mit und lässt das Buch für den Kritiker so zur "Lizenz zum Feiern" werden.

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