Es ist höchste Zeit, eine politische Kultur zu beschreiben, in der eine Koalitionsmehrheit im Rathaus einer Kommune, so wie es in den meisten deutschen Städten politische Realität ist, diese Stadt als Beute betrachtet und im Spiel von Gefälligkeiten und Gegengefälligkeiten alle Hemmungen fahren lässt. Am Beispiel der Stadt Wiesbaden zeigt Ewald Hetrodt, wie drei außergewöhnliche Charaktere - der Oberbürgermeister, ein einflussreicher Fraktionschef und der Geschäftsführer der städtischen Immobilien-Holding - sich der städtischen Gesellschaften auf schamlose Weise bedienten.
Ludger Fittkau zeigt sich schockiert angesichts der von Ewald Hetrodt mit einiger Empörung vorgetragenen Machenschaften von Vorteilsnahme und Korruption unter Politikern und Beratern in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden. Was der Autor als FAZ-Korrespondent selbst miterlebt hat und berichtet, verschlägt Fittkau den Atem. Der Ursachenforschung, die der Autor vorlegt, fehlt es laut Rezensent zwar mitunter an Distanz beziehungsweise Belegen, Hetrodts Lösungsvorschläge gegen Korruptionsanfälligkeit findet der Rezensent aber dennoch bedenkenswert.
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