Fabrizia Ramondino

Jedes Wesen schreit stumm

Die Frauen in der Via Gambini
Cover: Jedes Wesen schreit stumm
Arche Verlag, Zürich 2002
ISBN 9783716022979
Gebunden, 374 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Maja Pflug. "Sie kommt aus Neapel und will über das Zentrum schreiben..." Mit diesen Worten wird Fabrizia Ramondino 1998 den Patientinnen, Pflegerinnen und Psychologinnen des "Centro di salute mentale" in der Via Gambini in Triest vorgestellt. Einen Monat lang taucht die Autorin ein in die Geschichte und Architektur des "Zentrums für geistige Gesundheit" von Frauen, das vor 20 Jahren im Gefolge von Franco Basaglias bahnbrechender Forderung nach Öffnung der psychiatrischen Anstalten gegründet wurde. Sie sammelt die Lebensgeschichten der dort ein- und ausgehenden Frauen und zeichnet Bilder ihrer Besonderheit.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.08.2002

Sehr beeindruckt ist der Rezensent Franz Haas von diesem "scheinbar unkoordinierten Bericht", der von Frauen in einem psychiatrischen Krankenhaus in Triest erzählt. Triest ist hierbei als Ort, als Grenze zwischen Italien und dem zerstörten Ex-Jugoslawien eine passende Metapher für den Zustand, in dem sich die Frauen befinden, für "den unsichtbaren Übergang von der Normalität zum Wahnsinn", findet der Rezensent. Der Hauptteil des Buches handelt von den Gesprächen mit den Patientinnen, von hier aus gibt es jedoch immer im wieder Exkurse, die in die Stadt und deren Geschichte führt. Diese Mischung wirkt auf Haas zuerst einmal chaotisch, am Ende jedoch findet er das Buch sehr stimmig und nennt es eine "geglückte Erkundung der vielen Passagen zwischen Krankheit und Wohlsein, Seligkeit und Wahn". Was ihm vor allem gefällt, ist die Offenheit der Autorin, die sich nicht hinter ihrer Beobachterrolle versteckt, sondern eigene Schwächen schonungslos reflektiert und die trotz ihres klaren linken politischen Standpunktes für alle Themen offen ist - auch für Themen, die mit linken Tabus brechen.

Beliebte Bücher

Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Dorothee Elmiger. Die Holländerinnen - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2025.Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter…
Leila Slimani. Trag das Feuer weiter - Roman . Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Leila Slimani: Trag das Feuer weiter
Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…