Aus dem Italienischen von Maja Pflug. "Sie kommt aus Neapel und will über das Zentrum schreiben..." Mit diesen Worten wird Fabrizia Ramondino 1998 den Patientinnen, Pflegerinnen und Psychologinnen des "Centro di salute mentale" in der Via Gambini in Triest vorgestellt. Einen Monat lang taucht die Autorin ein in die Geschichte und Architektur des "Zentrums für geistige Gesundheit" von Frauen, das vor 20 Jahren im Gefolge von Franco Basaglias bahnbrechender Forderung nach Öffnung der psychiatrischen Anstalten gegründet wurde. Sie sammelt die Lebensgeschichten der dort ein- und ausgehenden Frauen und zeichnet Bilder ihrer Besonderheit.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.08.2002
Sehr beeindruckt ist der Rezensent Franz Haas von diesem "scheinbar unkoordinierten Bericht", der von Frauen in einem psychiatrischen Krankenhaus in Triest erzählt. Triest ist hierbei als Ort, als Grenze zwischen Italien und dem zerstörten Ex-Jugoslawien eine passende Metapher für den Zustand, in dem sich die Frauen befinden, für "den unsichtbaren Übergang von der Normalität zum Wahnsinn", findet der Rezensent. Der Hauptteil des Buches handelt von den Gesprächen mit den Patientinnen, von hier aus gibt es jedoch immer im wieder Exkurse, die in die Stadt und deren Geschichte führt. Diese Mischung wirkt auf Haas zuerst einmal chaotisch, am Ende jedoch findet er das Buch sehr stimmig und nennt es eine "geglückte Erkundung der vielen Passagen zwischen Krankheit und Wohlsein, Seligkeit und Wahn". Was ihm vor allem gefällt, ist die Offenheit der Autorin, die sich nicht hinter ihrer Beobachterrolle versteckt, sondern eigene Schwächen schonungslos reflektiert und die trotz ihres klaren linken politischen Standpunktes für alle Themen offen ist - auch für Themen, die mit linken Tabus brechen.
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