Aus dem Albanischen von Jochim Röhm. März 1991. Mehrere tausend Albaner drängen auf den Ozeandampfer »Partizani«, der zur Abfahrt nach Italien im Hafen von Durrës bereitliegt. Kurz bevor das Schiff die Anker lichtet, kehrt Thesar Lumi an Land zurück. Warum fliehen? Für ihn ist es zu spät. Thesar Lumi blickt mit erbarmungsloser Ehrlichkeit auf das Albanien seiner Jugend zurück. Aufgewachsen in einer Kleinstadt, die im Staub der Zementfabrik erstickt, gelingt es ihm, sich in Tirana einen Studienplatz zu ergattern. Er lernt den trügerischen Erfolg in einer korrupten Gesellschaft kennen, doch einer der Mächtigen im Lande wird er nie. Verklärt von der Schönheit der Frauen schlägt in ihm, selbst im Scheitern und im größten Leid, das Herz eines guten Menschen. In meisterhaftem Wechsel zwischen innerem Monolog, Erzählung und Dialog erzählt Kongoli die Geschichte Thesar Lumis. Hier erhält die zeitgenössiche Literatur eine neue Dimension, und Fatos Kongoli etabliert sich ? neben Ismaïl Kadaré ? als wichtigste Stimme Albaniens.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2000
Shirin Sojitrawalla findet zwar den deutschen Titel des in Albanien bereits 1992 erschienenen Buch "ein wenig dämlich". Denn eigentlich heiße "Il humburi" wörtlich übersetzt "Der Verlorene", was die Rezensentin für wesentlich treffender hält. Das Buch selbst gefällt ihr jedoch ausgesprochen gut, und so äußert sie sich zuversichtlich, dass bald noch weitere Bücher des Autors in deutscher Übersetzung vorliegen könnten. Drei Aspekte hebt sie besonders hervor: Da ist zum einen die gehetzte, "äußerst verknappte Sprache, die dennoch alles sagt". Des weiteren gefällt ihr die Betrachterperspektive des Autors, der seinen "Antihelden" wie in einem Film von Theo Angelopoulos agieren lasse. Und nicht zuletzt erfährt der Leser ihrer Ansicht nach allerhand über die entsetzlichen Zustände in Albanien. Das Politische steht für sie jedoch nicht im Vordergrund des Romans. Beeindruckend findet sie vielmehr Schilderungen von beispielsweise der "Paranoia der Bevölkerung", die sich auf den Leser übertrage, so dass dieser den Figuren im Roman zunehmend mit Misstrauen begegne.
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