Aus dem Albanischen übersetzt und mit einem Glossar versehen von Joachim Röhm. Eine außerordentlich sympathische Truppe von Freischärlern tritt an, für ihre Heimat Albanien ins Feld zu ziehen. Ihre Helden sind der Anführer Shestan Verdha, der singende Doska Mokrari und der lange Alush Gjati, zu groß für jeden Sarg. Anfangs zu fünft, später in Hundertschaften kämpfen sie, gegen wen da zu kämpfen ist, ganz gleich ob der Feind Holländer, Türke, Österreicher, Franzose, Bulgare oder Montenegriner ist. Und dann soll ausgerechnet ein deutscher Prinz König von Albanien sein? Nur wenn er beschnitten ist, witzeln Konsuln und Offiziere jeder Couleur, die sich im Salon der maltesischen Kurtisane Sara Stringa die Klinke in die Hand reichen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.01.2006
Wolfgang Schneider hält Ismail Kadares 1985 im Original erschienenen Roman "Das verflixte Jahr" für eine "leichte Enttäuschung", freut sich aber trotzdem oder gerade deshalb auf die baldige Übertragung des neuesten Werks "Der Nachfolger". Das "Verflixte Jahr" ist 1913, in dem nach 500 Jahren osmanischer Fremdherrschaft der albanische Staat aus dem Chaos geboren wird. Die blutigen Kämpfe, die Kadare vor dem historischen Hintergrund schildert, lassen Schneider bald den Überblick verlieren, ob jetzt gerade Komiten und Giauren oder Esadisten und Mokraren sich die Köpfe einschlagen. Da hilft ihm auch der streckenweise eingestreute "Ton eines Forschungsberichts", nichts. Der sorge allenfalls für Komik, meint Schneider. Dem "Sprachgenuss", den die elegante Übersetzung von Joachim Röhm ihm bietet, kann sich Schneider angesichts der zahlreichen Gemetzel leider nicht hingeben.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.09.2005
Diesen Roman sollte man sich nicht entgehen lassen, verkündet der beglückte Rezensent Andreas Breitenstein. Denn "Das verflixte Jahr" besticht durch die "heiter-ironische" Art, mit der Ismail Kadare - sonst eher als die "Zentnerlast balkanischer Geschichte" stemmende Atlas-Figur bekannt - die mühselige und bewegte Staatswerdung Albaniens im Jahre 1914 in Szene setzt. Dies beginnt laut Rezensent schon mit Kadares Eröffnung, dass in besagtem Jahr ein Komet den Lauf der Sonne gekreuzt haben soll. Damit läute Kadare eine Art "Traumzeit" ein, in der sich die Ereignisse fernab ihrer sonstigen Regeln abspielen. Mit "ungewohnter balkanischer Heiterkeit, in der das Unglück der eigenen Geschichte in souveräner Weise aufgehoben ist" verflechte Kadare Tragik und Komik, Mythos und Ironie. Doch angesichts dieser "wundersam" anmutenden Erzählung warnt der Rezensent eindringlich davor, den Realitätsgehalt zu unterschätzen. In der Tat seien in diesem "gespenstischen Vielvölkerballett" sowohl "das politische und gesellschaftliche Konfliktfeld" als auch die "Zeitstimmung" vom Autor "luzid eingefangen". All dies, so das betörte Fazit des Rezensenten, macht "Das verflixte Jahr" zu einer "Hommage an die Heimat, deren Charme man sich schwerlich entziehen kann".
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