Politik ist Weltgestaltung durch öffentliche Macht - Religion ist die Realisierung des Heiligen. Auch Christentum und Islam gestalten mit. Als Konkurrenten? In Zusammenarbeit? Die neue religiöse Vielfalt Europas braucht eine neue politische Theologie. Felix Körner, Jesuit, Islamwissenschaftler, Dogmatiker, entwirft sie. Seine Ausgangsfrage: Wie beeinflussen die Religionen das Zusammenleben und die Machtverhältnisse? Und wie sind sie selbst davon beeinflusst? Diese politische Theologie bringt Erfahrungsberichte, Gesellschaftsanalysen, Textstudien und Theoriebausteine zusammen. Die Religionen werden als eigene Gestaltungskräfte sichtbar.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.01.2021
Rezensent Rainer Hermann lernt vom Theologieprofessor Felix Körner, dass nicht nur dem "politischen Islam" ein Weltgestaltungswille zugrundeliegt, sondern auch dem Judentum und dem Christentum. Überzeugend findet Hermann Körners Darlegung des Politischen in der Religion anhand von Bibel- und Koranpassagen und der Formulierung von "politischen Religionsmodellen", die der Religion verschiedene Aufgaben zuteilt, Herrschaftslegitimation, Machtkritik oder Identitätsstiftung etwa. Hier erfährt Hermann auch, dass Krieg "keiner monotheistischen Relgion fremd" ist. Körners Perspektive auf das offenbar unerlässliche Wechselspiel zwischen Politik und Religion findet Hermann augenöffnend.
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