Eingeladen hat Marie-Louise niemanden, und doch klingelt ihr "Hausfreund" David, ausgestattet mit Blumen und Champagner, schon vor dem Frühstück. Sie ist noch im Pyjama. Angekündigt hat sich hingegen ihr eineiiger Zwilling, der neuerdings Marius heißt, um gemeinsam den runden Geburtstag zu feiern. Nur kommt er nicht allein. Seine Freundin Olivia weckt allerhand Begehrlichkeiten, und großen Hunger hat sie auch. Die Haushälterin Ivana führt unbemerkt Regie, behält die Ruhe und alles im Blick.Eine exzentrisch überfüllte Architektenvilla im Wienerwald wird zur Bühne dieser zunehmend schrillen Dinnerparty, die vom Pizzaservice beliefert wird. Die Stimmung ist ebenso angespannt wie erotisch aufgeladen. Es wird laufend nachgeschenkt und vor allem gestritten. Darüber, wie man wurde, was man ist, was gesagt werden darf und zu befürchten wäre und wohin das alles führen kann. Irgendwann fällt ein Schuss. Ob Marie-Luise am nächsten Tag zum Damenschach gehen kann, ist durchaus ungewiss.
Mit einem veritablen Verriss bedenkt Rezensentin Manuela Reichart das Zweitwerk Job Finns. Der junge Autor hatte hier offensichtlich, meint Reichart, eine Satire im Sinn, und überdreht geht es in der Tat zu in dieser Geschichte, die in einer Villa beginnt, die von einer Witwe bewohnt wird. Anlässlich eines Geburtstags kommt die Familie zusammen,erzählt die genervte Rezensentin, das Personal rekrutiert sich unter anderem aus zwei Brüdern, von denen einer früher eine Schwester war und einer neunmalklugen Haushälterin. Hier wird zum Beispiel, seufzt Reichart, ausführlich vor dem Spiegel masturbiert, außerdem Plattitüden aus dem Fachbereich Identitätspolitik zum Besten gegeben, keine der beteiligten Figuren gewinnt man bei all dem lieb. Ein paar der verhandelten Probleme lösen sich im vage an antike Tragödien angelehnten Finale in Wohlgefallen auf, Reichart jedoch hat mit diesem Buch keinen Spaß.
In seinem zweiten Roman dreht Finn Job auf so amüsante wie interessante Art und Weise ab, hält Rezensent Tobias Lentzler fest: Im Zentrum stehen Marie-Louise, ihr trans Bruder Marius und seine Freundin Olivia, anhand derer der Autor "die Kampfplätze der Gegenwart" ausschlachtet. Die Diskussionen um Transgeschlechtlichkeit, Rassismus und Feminismus gehen so weit, dass sich die Geschwister irgendwann duellieren, konstatiert der gut unterhaltene Lentzler. Einzig der Schluss, in dem Job eine der Protagonistinnen komplett enthemmt transfeindlich und antisemitisch um sich schlagen lässt, ist dem Kritiker zu viel: Auch Satire hat Grenzen, meint er.
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