Alia Trabucco Zerán

Mein Name ist Estela

Roman
Cover: Mein Name ist Estela
Hanser Berlin, Berlin 2024
ISBN 9783446277274
Gebunden, 240 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Benjamin Loy. Das Mädchen ist tot, die Haushälterin wird vernommen. Zum ersten Mal hören alle Estela zu. Szene um Szene offenbart sie ein schwindelerregendes Kammerspiel unüberbrückbarer Klassenunterschiede.Sieben Jahre hat Estela im Haus der fremden Familie gelebt, hat tagein, tagaus für sie gesorgt. Die karierte Schürze ist zu einer zweiten Haut geworden, die dünnen Wände ihres Zimmers sind immer näher gerückt. Doch sie ist nicht die einzige Gefangene des Hauses: Im leeren Blick des Mädchens sieht Estela ihre eigene Einsamkeit gespiegelt. Jeder Versuch von Intimität zwischen Angestellter und Kind zerschellt an der ehrgeizigen Mutter und dem autoritären Vater, an der Brutalität der Verhältnisse. Auf engstem Raum ringen vier Menschen ums Überleben und rasen doch unausweichlich auf eine Katastrophe zu.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 13.03.2024

Einen "eindringlichen Roman über das chilenische Klassensystem" legt Alia Trabucco Zeran mit ihrem neuen Buch vor, in dem es um eine Hausangestellte geht, die des Mordes an der Tochter ihrer reichen Arbeitgeber-Familie verdächtigt wird, resümiert Rezensentin Victoria Eglau. Dabei wir das Buch aus der Sicht von der Hausangestellten Estela erzählt, die von ihrer Zeit im Süden Chiles und über ihre Arbeit im Haus der reichen Familie spricht, lesen wir. Auf den ersten Seiten wird schon klar, dass die Tochter gestorben ist. Zeran schafft es aber nahezu virtuos die Spannung hoch zu halten, lobt die Kritikerin. Es handelt sich nicht um ein "Pamphlet gegen die soziale Ungerechtigkeit", sondern um eine tiefgehende psychologische Studie einer Person, die als Hausangestellte nur auf ihren Nutzen reduziert wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 09.03.2024

Rezensent und Autor Hernán D. Caro ist sehr angetan vom Komplexitätsgrad, mit dem Alia Trabucco Zerán in ihrem Roman vom Leben eines Kindermädchens in Chile erzählt. Denn es gehe der chilenischen Autorin, die zu einer der einflussreichsten der lateinamerikanischen Gegenwartsliteratur zähle, nicht um die schlichte Ausstellung einer Leidenserfahrung in Zuständen sexueller und psychologischer Gewalt, wie sie diesen Arbeitsbereich in Chile heute noch vielfach prägen. Vielmehr stelle Zerán mit Fingerspitzengefühl die viel subtileren Qualen dar: die "wesentliche Sinnlosigkeit" ihrer anstrengenden Aufgaben im Haus, die leicht herablassenden Bemerkungen der reichen Arbeitgeber und vor allem deren emotionale Kälte, die - das hält der Kritiker für eine spannende Wendung des Buchs - schließlich von der Protagonistin selbst Besitz ergreifen. Dass am Ende der siebenjährigen Tätigkeit und am Anfang des Romans als "kriminalistischer Auftakt" der Tod der kleinen Tochter der Arbeitgeber steht, der am Ende auch aufgeklärt wird, ist für Caro dabei eher Nebensache. Die Intelligenz und "erschütternde" Qualität des Romans liegt für ihn in Zeráns erzählerischer "Schärfe", mit der sie die alltägliche Leidenserfahrung einer nicht nur tugendhaften Frau und Gefangenen ihrer Klasse erzählt.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 02.03.2024

Von einem eindringlichen Kammerspiel berichtet Rezensentin Marie-Luise Goldmann: Der zweite Roman der Chilenin Alia Trabucco Zerán erzählt sieben Jahre aus dem Leben des Dienstmädchens Estela. Tagein, tagaus kümmert sie sich um die kleine Julia, mit deren Tod das Buch einsetzt. Goldmann fühlt sich an viele andere berühmte Romane über Dienstboten erinnert, Estela sei sich dabei der "Gemachtheit ihrer Erzählung" stets bewusst. So ermuntert das Buch die Kritikerin auch, einmal über die Machtasymmetrien zwischen Hausherren und Hausmädchen nachzudenken.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.02.2024

Die Hausangestellte Estela steht unter Verdacht das Mädchen eines reichen Paares umgebracht zu haben, fasst Rezensentin Christiane Lutz den Ausgangspunkt von Alia Trabucco Zerans Roman zusammen. Darin werde auf den ersten Seiten der Lebensalltag von Estela in der Familie beschrieben, der von der Ausnutzung Estellas und ihrer Abneigung der Familie gegenüber erzählt, von der sie trotzdem aus finanzieller Abhängigkeit nicht loskomme. Leider verweigert sich Zeran einer "pointiert-scharfen Klassenanalyse" und bleibt ganz bei ihrer Hauptfigur, moniert die Kritikerin. Letztendlich vermutet Lutz, dass Zeran die Leser lediglich dazu bringen will, Estela den Mord am Mädchen zuzutrauen, um diese mit den eigenen Vorurteilen zu konfrontieren, "ein etwas billiger" Trick, findet die Kritikerin.

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