Nach dem Zusammenbruch des "Dritten Reiches" gab es einen unverrückbaren Ort, der Halt und Geborgenheit versprach: die Familie. Sie erwies sich als der einzige Wert, der den Nationalsozialismus weitgehend unversehrt überdauert hatte. Eines aber konnte die Familie nicht - sie konnte nicht jene Widersprüche und Konflikte aussperren, die im ersten Nachkriegsjahrzehnt die Gesellschaft begleiteten. Zu ihrer vielleicht größten Hypothek wurde das Verdrängen und Verschweigen. Sie waren der Nährboden für die berüchtigten Familiengeheimnisse der deutschen Gesellschaft nach 1945, an deren Gift bisweilen noch die Enkelgeneration laborierte. So wurden aus großen Erwartungen nicht selten große Enttäuschungen, die bis heute nachwirken.
Der deutsche Familienkosmos der Nachkriegszeit war eine historisch einzigartige "Versuchsanordnung".
So ganz mag Florian Hubers Buch nicht halten, was der wunderbare Titel "Hinter den Türen warten die Gespenster" verspricht, meint Rezensent Dieter Thomä. Dennoch folgt der Kritiker dem Autor gern in die (west-)deutsche Nachkriegszeit: Schon allein, weil das Tagebucharchiv in Emmendingen, dass Huber durchforstet hat, einige Schätze bereit hält, fährt der Rezensent fort, der fasziniert die Notate von Kriegsgefangenen und heimgekehrten Ehemännern und Vätern liest. Geradezu versöhnt folgt Thomae hier dem "kalten Krieg in den Familien" und der Neuerfindung Deutschlands. Dass die besten Passagen des Buches von Autoren wie Bernhard Vesper, Jürgen Lodemann oder Ute Scheub übernommen wurden und sich zudem einige kleine Fehler eingeschlichen haben, geht für den Kritiker angesichts der Leichtigkeit dieses Buches in Ordnung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.07.2017
Robert Probst hält das Buch des Historikers und Filmemachers Florian Huber über den Zeitraum 1945 bis 1958 für außergewöhnlich. Das laut Probst ungebrochene Interesse an der Nachkriegsära befriedigt der Autor nicht mit psychologischer Deutung, sondern durch Zurückhaltung und die Dokumentation der Stimmen von Soldaten, NS-Verbrechern, Frauen und Kindern in Briefen, Tagebüchern und Erinnerungen. Die "große Erzählung", die für Probst auf die Art entsteht, spricht von verwundeten Seelen und kaputten Familien. So unwissenschaftlich das Ganze ist, so stark erscheint Probst Hubers Sprache und sein Mut, das Erzählte für sich wirken zu lassen. Und es wirkt, versichert der Rezensent.
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