Auf den ersten Blick scheint die militärische Auftragsforschung, welche angesichts ihrer Zweckorientierung stets die Autonomie der Forschenden einzuschränken droht, nicht mit der grundlagenorientierten Forschung der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) vereinbar zu sein. Nach Aufhebung alliierter Forschungsverbote und der Wiederbewaffnung der Bundesrepublik musste sich jedoch auch die MPG seit 1955 mit der vom Verteidigungsministerium geforderten "Wehrforschung" auseinandersetzen. Diese Studie untersucht, wie die MPG trotz ihres distanzierten Verhältnisses zur militärischen Auftragsforschung diese institutionell in ihr Portfolio integrierte. Anhand von Fallbeispielen der biologische Waffenforschung und der Lieferung von Nukleartechnologie für das pakistanische Atomwaffenprogramm zeigt Florian Schmaltz Risiken und Folgen der Dual-Use-Problematik in militärisch nutzbarer Grundlagenforschung auf. Zugleich lehnten führende Physiker der MPG 1957 jegliche militärische Kernforschung (Göttinger Erklärung) ab und zahlreiche Angehörige der MPG engagierten sich in den 1980er Jahren in der Friedensbewegung gegen die Raketenstationierung und die Weltraumrüstung (SDI-Programm).
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.02.2026
Wie halten es die Max-Plank-Insitute mit militärischer Forschung? Die Antwort ist komplex, lernt Rezensent Gregor Gosse aus diesem Buch. Florian Schmaltz zeigt kleinteilig auf, wie die Max-Plank Gesellschaft (MFG) zwar stets auf Distanz zum Verteidigungsministerium und anderen sicherheitspolitischen Akteuren Wert legte, dass sie aber durchaus, teils auf Umwegen, an militärisch relevanter Forschung beteiligt war. Die Frage stellte sich, zeigt Schmaltz, insbesondere nach der Wiederbewaffnung Deutschlands 1955: MFG-Vertreter gerieten damals in einen Konflikt mit Verteidigungsminister Strauß und auch mit Adenauer, was etwa atomare Bewaffnung angeht. Dual use, also Forschung, die sowohl militärischen als auch zivilen Zwecken dienen kann, ist ein weiteres Thema des Buches, ebenso der Nervenkampfstoff Soman, an dem die MFG dann doch nicht forschen wollte - ein eher seltener Fall, lernt Schmaltz. Der Rezensent ist dem Buch und auch seiner kritischen Agenda insgesamt gewogen, nur manchmal ist es für seinen Geschmack etwa zu langatmig geraten, etwa in der Rekonstruktion der Affäre um den MFG-Mitarbeiter Heinrich Weichselgartner, der wegen "Beihilfe zur versuchten ungenehmigten Ausfuhr von Kriegswaffen und Beihilfe zur Untreue" verurteilt wurde. Dennoch auch angesichts jüngerer Entwicklungen ein wichtiges Buch, heißt es am Schluss.
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