Birgit Kolboske

Hierarchien. Das Unbehagen der Geschlechter mit dem Harnack-Prinzip

Frauen in der Max-Planck-Gesellschaft
Cover: Hierarchien. Das Unbehagen der Geschlechter mit dem Harnack-Prinzip
Vandenhoeck und Ruprecht Verlag, Göttingen 2022
ISBN 9783525302057
Gebunden, 570 Seiten, 80,00 EUR

Klappentext

Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG), eine der erfolgreichsten Forschungsinstitutionen weltweit, steht exemplarisch für das stark von Hierarchien und Abhängigkeitsverhältnissen geprägte deutsche Wissenschaftssystem. Die Studie analysiert ihren soziokulturellen und strukturellen Wandlungsprozess unter Genderaspekten in den ersten fünfzig Jahren ihres Bestehens - von intransparenten Wirkungszusammenhängen informeller Netzwerke hin zu einer modernen, an Gleichstellungspolitik orientierten Forschungsinstitution. Dabei werden zwei weibliche Arbeitswelten in der Forschungsgesellschaft kultur- und wissenschaftshistorisch untersucht: die Wissenschaft, zu der lange Zeit nur sehr wenige Frauen Zugang hatten, und das "Vorzimmer", in dem die meisten Frauen gearbeitet haben. Was hat weibliche Wissenschaftskarrieren in der MPG befördert, was behindert und welche Rolle spielte dabei das "Harnack-Prinzip", das MPG-eigene Strukturprinzip der persönlichkeitszentrierten Forschungsorganisation? Ein weiterer Fokus liegt auf den gleichstellungspolitischen Aushandlungsprozessen, die Ende der 1980er begannen und dazu beigetragen haben, die tradierte Geschlechterordnung der Max-Planck-Gesellschaft aufzubrechen und dort einen Kulturwandel herbeizuführen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.12.2023

Rezensentin Pia Heinemann ist gespannt, ob es künftig gelingt, den Frauenanteil in der Max-Planck-Gesellschaft zu erhöhen. Birgit Kolboske, selber in der MPG für Wissenschaftsgeschichte und als Gleichstellungsbeauftragte tätig, zeichnet rückblickend jedenfalls ein ernüchterndes, ja düsteres Bild. Frauen spielten in den vergangenen 50 Jahren in der MPG vorwiegend die Rolle der Sekretärin oder der Forschungsassistentin, die männliche Forscher bei ihrer Arbeit unterstützten, erfährt Heinemann. Die Ursachen findet Kolboske nicht nur im Rollenverständnis, sondern auch in den Strukturen der MPG. Einen "Hoffnungsschimmer" bietet der Band laut Heinemann aber schon. Seit 1996 verzeichnet die Autorin eine Verbesserung in der Gleichstellungspolitik der MPG.

Buch in der Debatte

9punkt 08.01.2024
Bis heute ist es empörend, wie Otto Hahn seiner Kollegin Lise Meitner, mit der er zusammen die Kernspaltung erforscht hatte, den Nobelpreis gestohlen hat, schreibt die Wissenschaftshistorikerin Birgit Kobolske, die zum Thema geforscht hat, in der taz. Hahn bekam den Nobelpreis 1945, während die nach Schweden emigrierte Jüdin leer ausging. Und Hahn tat so, als hätte er das alleinige Verdienst. Unser Resümee

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