Der Historiker und Religionswissenschaftler Hans-Joachim Schoeps zählt zu den profiliertesten Gelehrtenpersönlichkeiten der deutsch-jüdischen Wissenschaftsgeschichte im 20. Jahrhundert. Dennoch war er gegen Lebensende mit seiner Universität in Erlangen und den meisten seiner Kollegen nahezu vollständig zerfallen. Das Hauptthema seiner wissenschaftlichen Bemühungen - die Auseinandersetzung mit Preußen - galt als ebenso weitgehend obsolet wie die von ihm favorisierte ideengeschichtliche Methode. Mittlerweile ist dies in beiden Fällen anders geworden. Der Hohenzollernstaat ist seit Beginn der 1990er Jahre zum Gegenstand intensiver und teilweise sehr fruchtbarer wissenschaftlicher Debatten avanciert, und auch die Geistes- und Ideengeschichte hat merklich an Reputation zurückgewonnen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.02.2011
Erhellend findet Michael Böhm diese Studie über Leben und Werk des Religionshistorikers Hans-Joachim Schoeps von Frank-Lothar Kroll. Er sieht in Schoeps eine "Ausnahmeerscheinung in der Geistesgeschichte der frühen Bundesrepuplik? und geht vor allem auf dessen Preußenbild ein. Krolls Studie schätzt er als instruktiv und gut zu lesen. Seiner Ansicht nach betrachtet der Autor Schoeps allerdings etwas zu stark aus dem Blickwinkel des Historikers. Gerade Schoeps kritische Auseinandersetzung mit der modernen Massendemokratie sowie seine Idee einer gebundenen, gemeinwohlorientierten Freiheit hält er nämlich durchaus für bedenkenswert. Hier hätte Böhm gern mehr über die philosophischen Seite dieser Idee erfahren und auch über Schoeps' Vorstellung, wie diese in der modernen Gesellschaft zu verwirklichen wäre.
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