Sophia und Jan sind jung und einigermaßen glücklich: Sie klettert steil die Karriereleiter bei Daimler hoch, er versucht sich als Journalist bei der Lokalzeitung. Dann bekommen sie ein Baby. Sie bleibt zu Hause und hütet das Kind, er kämpft um eine Festeinstellung in der Redaktion. Während Jan sich zunehmend exzessiv beim Joggen abreagiert, und das Baby einfach nicht aufhört zu schreien, gerät Sophia in einen immer größeren Taumel aus Frustration und Hilflosigkeit. Bis sie schließlich ein Ventil für ihren Frust findet: das Internet! Hier entlädt die ach so korrekte Vorzeigefrau alle Wut, und beleidigt im stillen Kämmerchen schamlos drauf los. Was sie nicht ahnt: Auch Jan hütet ein großes Geheimnis und fürchtet um seine Karriere. Sein größter journalistischer Erfolg basiert auf einer Lüge, die nun im Netz aufgedeckt zu werden droht.
Jürgen Deppe bleibt ein schaler Geschmack nach der Lektüre von Frank O. Rudkoffskys zweitem Roman. Beachtenswert findet er zwar, wie sich der Autor für die erzählte komplexe Beziehungsgeschichte in die weibliche Seele einfühlt. Wenn die Story sich spaltet und mit Recherchen einer Figur zu "Stuttgart 21" befasst, mit den Protesten, "Wutbürgern" und "Trollen" im Netz, verläuft sich der Autor laut Deppe in fragwürdigen Aussagen über PEGIDA und die vermeintlich schlechte Presse von harmlosen "besorgten Bürgern". Die durchaus treffenden Beobachtungen im Text und die witzige Erzählweise scheinen Deppe angesichts solcher Irritationen an Bedeutung zu verlieren.
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