Aus dem Französischen von Richard Steurer-Boulard. Die Bürger des kleinen haitianischen Dorfes Bois-Neuf leben in völliger Unterwerfung unter den Magier Saintil. Clodonis, ein Student, dessen "unverschämte" Bildung Saintils Macht bedroht, wird von ihm in einen Zombie verwandelt und muss Sklavenarbeit auf Reisfeldern verrichten, doch Saintils Tochter verliebt sich in ihn. Sie gibt ihm Salz und weckt ihn so aus seiner Apathie. Clodonis verteilt das Salz an die anderen Zombies, die ebenfalls erwachen. Wird es ihnen im Bund mit den Dorfbewohnern gelingen, die Macht des Zauberer zu brechen?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 09.04.2026
Toll findet Rezensentin Andrea Pollmeier, dass es diesen Klassiker der haitianischen Literatur nun auch auf Deutsch zu lesen gibt. Frankétiennes Roman war bei seiner Erstveröffentlichung im Jahr 1975 der erste, der im lokalen Kreolisch publiziert wurde - davor waren lediglich Zeitschriftenbeiträge und Gedichte in der Sprache erschienen. Auf die Geschichte, die Frankétienne erzählt, geht Pollmeier nur kursorisch ein, ein Hof spielt eine Rolle, außerdem ein böser Magier, der Menschen in Zombies verwandelt, sowie dessen Tochter, die sich in einen der Zombies verliebt. Wichtiger als die Geschichte scheint jedoch die Art und Weise zu sein, wie sie erzählt ist. Frankétienne orientiert sich an den mündlichen erzählerischen Traditionen Haitis und löst sich in dem Roman von linearen Kausalzusammenhängen, öffnet sich einem magischen, dem Surrealismus nahen Denken. Diesem sollten sich auch die Leser dieses Buches öffnen, empfiehlt die ziemlich enthusiastische Rezensentin.
Ein tyrannischer Herrscher, der Lebende und Tote in willenlose Zombies verwandelt? Es ist nicht schwer für Rezensentin Victoria Eglau hier die Anspielung auf die Duvalier-Diktatur in Haiti zu erkennen. Leicht ist die Lektüre dieses Romans von Frankétienne nicht, der der haitianischen Literaturtradition des "Spiralisme" folgt, wie wir lesen: Er hat eine "spiralförmige Struktur", Handlungselemente sind eher lose zusammengefügt, gleichzeitig sind auch die drastischen Schilderungen und seine Düsternis nichts für schwache Nerven. Allerdings ist die Kritikerin auf der anderen Seite beeindruckt von der "Explosion einer opulenten Sprache", den eigenartigen, originellen Einfällen, den "durcheinanderwirbelnden" Bildern der haitianischen Gesellschaft. Nichts zum schnell Runterlesen, aber ein wichtiges literarisches Dokument, resümiert Eglau.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2026
Rezensent Hans Christoph Buch schwärmt von Frankétienne als einem "Urphänomen karibischer Kultur". Dass der Autor heute wieder "hochaktuell" ist, wie Buch glaubt, liegt am Topoi der Zombies, die in diesem Roman in tranceähnlichem Zustand verharren, verzaubert durch Voodoo bzw. gelähmt angesichts der Tyrannei des Herrschers Duvalier. Voodoo-Eigenheiten u.a. erklärt laut Buch ein Glossar, aber leichte Kost ist der Text dennoch nicht, warnt er. Den Sturz des diktorischen Duvalier-Clans nimmt der Text vorweg, erklärt Buch.
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