Angelehnt an die eigene Biografie begleitet Franz Hessel seinen Protagonisten Gustav Behrendt von den ersten Eindrücken des Kleinkindes an, über die Erlebnisse des Jungen bis hinein in die Studentenzeit und das Bohemeleben in München. Immer scheint Gustav abseits zu stehen, im Zustand des Beobachtens zu verharren: zuerst in den Freundschaften als Junge, dann im Verhältnis zu den Frauen. Hessel träumte die Wirklichkeit , sagte Alfred Polgar. Und der Held Gustav ist ebenso ein Wirklichkeitsträumer wie sein Autor: In einem Reigen aus Begegnungen auf Festen, in Salons und anderswo wundert er sich durch das Leben und gerät von einer Hoffnung auf das Glück in die nächste. Die Dame, die Künstlerin, das schlichte Mädchen, die Prostituierte, jede Frau zeigt eine neue Zukunft und eine neue Enttäuschung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.02.2019
Wolfgang Schneider staunt, wie schön sich mit Franz Hessel träumen lässt. Viel weniger angestrengt als die Kindheitserinnerungen Walter Benjamins findet er Hessels autobiografisch grundierten, 1913 erschienenen Debütroman um den träumend Erfahrungen und Eindrücke aus Kindheit, Jugend und Studententagen schildernden Helden Gustav. Hessel vermittelt das Lebensgefühl einer Generation am Abgrund, meint Schneider. Sein "Poet der Wahrnehmung", weniger ein Flaneur, findet Schneider, beschreibt Liebeleien und das Leben der Boheme in München ein wenig wie Robert Walsers Figuren, leicht und mit feiner Ironie.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.05.2013
Den träumerischen Helden dieses ersten, im Jahr 1913 erschienenen Romans von Franz Hessel denkt sich Ulrich Rüdenauer als Vorfahr von Hessels späteren Flaneuren und Tagträumern. Das kleine Buch beglückt Rüdenauer durch sein schwebendes Erzählen, durch sein Oszillieren zwischen Melancholie und Unbeschwertheit und seine spielerische Anlage aus knappen Dialogen, Szenen und Sequenzen, die immer mal wieder ins Fantastische hinübergleiten, wie der Rezensent anmerkt. Was noch mal das zwecklose Schauen war, lernt Rüdenauer hier ganz nebenbei.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.07.2012
Von bleibender Aktualität ist das die Lebensgeschichte eines Taugenichts und Schicksalslosen erzählende Debüt des großen Flaneurs Franz Hessel für Beate Tröger durch seine prototypische Anlage: Der Nichtsnutz, der sich auf der Suche nach seiner Identität befindet und sein Verhältnis zu den Frauen erkundet. Literaturgeschichtlich spannend erscheint das Buch Tröger durch seinen mittels Tagebuchnotaten und Briefen unterbrochenen Erzählfluss, in dem die Rezensentin den vom Erzähler memorierten "kindlich-zauberischen" Zustand gespiegelt sieht.
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