Hanns Grössel war für den deutschsprachigen Raum einer der wichtigsten Vermittler französischer und skandinavischer Literatur, nicht nur als Literaturredakteur im WDR und Übersetzer, sondern auch als Essayist und Kritiker. Wenn Hanns Grössel mit ansteckender Neugier und Respekt über Bücher sprach oder schrieb, entfalteten sich die Lebens-, Werk- und Editionsgeschichten zu literaturhistorischen Erzählungen, fundiert, kenntnisreich, manchmal auf originelle Weise eigenwillig und immer begeisternd. Er erzählte mit Lust und machte Lust auf Literatur, insbesondere auf die französische und die skandinavische (vor allem dänische) Literatur, für die er Bedeutendes geleistet hat.
Norbert Wehr hat für eine große Retrospektive Beiträge ausgewählt, die sich in der Zusammenstellung als Hanns Grössels persönliche französische Literaturgeschichte lesen lassen. Der Band bietet mit seinem literaturhistorischen Panorama aus Einzelbetrachtungen nicht nur einen aufschlussreichen Überblick, sondern auch einen ausgezeichneten Einstieg in das literarische Universum der französischen Literatur.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.11.2017
Angelika Overath liest die Essays und Kritiken von Hanns Grössel mit großer Freude und ebensolchem Gewinn. Das Buch ergibt für sie eine "kostbare" persönliche Literaturgeschichte der französischen Moderne von Flaubert bis Modiano. Zu entdecken und wiederzufinden ist da für Overath vieles, etwa in Grössels Texten zum Nouveau Roman, zu Céline oder über die Surrealisten. Wie Grössel auf Augenhöhe mit den Autoren schreibt und als Übersetzer in seinen Kritiken immer auch die Poetologie aufgreift, findet die Rezensentin außergewöhnlich.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.09.2017
Rezensent Helmut Böttiger erinnert sich gern an den vor fünf Jahren verstorbenen WDR-Literaturredakteur Hanns Grössel, der für ihn den "Idealtyp" eines Kritikers darstellte. Entsprechend dankbar nimmt Böttiger diesen von Norbert Wehr herausgegebenen Band mit Essays und Kritiken zur französischen Literatur zur Hand, in dem er sich noch einmal von der Gelehrtheit und dem Kenntnisreichtum Grössels überzeugen kann. Der Kritiker lässt sich gern auf diesen sehr subjektiven, aber gerade deshalb so ertragreichen Streifzug durch die französische Literaturgeschichte ein, liest mit großem Interesse Grössels "differenzierte" Betrachtungen zu Celine oder Drieu La Rochelle und bewundert insbesondere, wie der Autor Sartres Umdeutung des kommunistischen Aktivisten Paul Nizan aufdeckt.
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