Wer soll was tun?
Warum wir nicht zum Klimaschutz verpflichtet sind und worin unsere Verantwortung eigentlich besteht

C.H. Beck Verlag, München 2025
ISBN
9783406837500
Broschiert, 213 Seiten, 18,00
EUR
Klappentext
Warum wir nicht zum Klimaschutz verpflichtet sind und worin unsere Verantwortung eigentlich besteht Hafermilch, Elektroauto, Wärmepumpe und der Urlaub vor der eigenen Haustür sind zu Insignien einer ökologischen und deshalb besseren Lebensweise geworden. In Sachen Klimawandel scheinen sich viele einig zu sein: Wir alle sind verpflichtet, unseren individuellen Verbrauch von Treibhausgasen umfangreich zu reduzieren. In ihrem aufrüttelnden Essay tritt Frauke Rostalski diesem Narrativ entgegen und sagt: Eine Pflicht zur Reduktion des CO2-Ausstoßes besteht derzeit gar nicht. Nationale wie individuelle Heldentaten verlaufen im Sand oder erweisen sich schlimmstenfalls sogar als kontraproduktiv, solange auf internationaler Ebene kein effektives System existiert, in das sie sich einfügen. Rechtliche und ethische Pflichten sind stets daran gebunden, dass das, was verlangt wird, überhaupt geeignet ist, zu dem gewünschten Ziel beizutragen. Die harte Wahrheit lautet aber, dass der Klimawandel ein globales Problem ist, das auch nur auf globaler Ebene effektiv gelöst werden kann. Hier steht in erster Linie die Politik in der Pflicht, auf ein effektives globales Konzept zur Bekämpfung des Klimawandels hinzuwirken. Derweil ist eine Abkühlung unserer Klimadebatte geboten, in der Bekenntniszwänge und emotionale Anschuldigungen eine Mauer der Antipathie aufrichten, die sachliche Auseinandersetzungen behindert.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
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Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.12.2025
Rezensent Lukas Fuhr hält insgesamt wenig von Frauke Rostalskis Buch über ethische und rechtliche Fragen in Zusammenhang mit dem Klimawandel. Rostalski wendet sich gegen Positionen, die den Einzelnen im Kampf gegen den Klimawandel mit Verhaltensempfehlungen pauschal in die Pflicht nehmen und möchte klären, wie es um die Gestaltungsmöglichkeiten des Einzelnen konkret bestellt ist. Ein interessanter Ansatz, findet Fuhr, allein die Umsetzung überzeugt nicht. Rostalski argumentiert stets sowohl juristisch als auch ethisch, und Fuhr stört sich daran, dass die ethischen Argumente sich arg juristisch, beziehungsweise gutachtermäßig anhören - und auch nicht auf der Höhe der moralphilosophischen Debatte sind, was sich etwa an der Art und Weise zeigt, in der Rostalski Verantwortungs- und Gesinnungsethik kontrastiert. Überhaupt pickt sich die Autorin, ärgert sich der Rezensent, immer wieder wissenschaftliche Positionen heraus, die in ihre Argumentation passen, im jeweiligen Fach jedoch kaum Geltung haben - was unter anderem dazu führt, dass Rostalski die real existierenden klimapolitischen Anstrengungen als wirkungslos bezeichnet, was schlicht faktisch falsch ist. Leider, so das Fazit der Besprechung, ist Rostalskis Buch aufgrund seiner zahlreichen handwerklichen und argumentativen Schwächen, in der Diskussion um Umweltpolitik ebenfalls nicht hilfreich.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.10.2025
Viel Bedenkenswertes schreibt Frauke Rostalski hier über individuelle Verantwortung für den Klimaschutz, findet Rezensent Gustav Seibt, der sich den Schlussfolgerungen, die die Autorin zieht, am Ende freilich doch nicht anschließt. Rostalski war Mitglied des Ethikrats, der von den Bürgern 2024 verlangte, auch über die Gesetze hinausgehend Anstrengungen hinsichtlich des Klimaschutzes zu unternehmen - sie selbst sah die Sache anders und formuliert ihr Sondervotum nun in Buchform aus, stilistisch merkt man dem Text seinen offiziellen Ursprung durchaus an. Die Gedanken über individuelle moralische Verantwortung in Klimadingen, die die Autorin sich macht, findet Seibt lesenswert, unter anderem schreibt Rostalski, dass Menschen nicht moralisch dazu erpresst werden sollen, Dinge zu tun, die dem Klima gar nicht nützen - was bei aktueller Gesetzeslage der Fall ist, solange es keine Sanktionsmechanismen im internationalen politischen Bereich für Klimasünder gibt. Nicht mehr mitgehen möchte Seibt, wenn Rostalski auch diese hypothetischen Forderungen an die Bürger im Sinne von Freiheitsrechten einschränken möchte; hier kollidiert die Argumentation, findet er, dann doch mit der realen Gefahr, die eine immer weiter sich erhitzende Erde für uns alle mit sich bringt. Alles in allem wird das Buch, urteilt Seibt, den Herausforderungen, die der Klimawandel mit sich bringt, nicht gerecht.