Bereits 1966 beendete er sein großes Buch über den Krieg, das viele der erst in den letzten Jahren gestellten Fragen aufgreift, wie Restitution, Entschädigung, Wiedererwachen des Nationalismus. Aufgrund der aktuellen politischen Bezüge und Nachweise nationalistischer, rassistischer, faschistischer und politischer Zusammenhänge konnte das Opus nicht veröffentlicht werden, da Polakovics sich nicht scheute, die Namen zu nennen, die für diese Gesinnung standen und stehen.Friedrich Polakovics erlebte den Krieg und die Sprache des Krieges als einen wahnwitzigen Schwindel. Allzu gerne beugten sich viele, ließen sich disziplinieren, passten sich der Terminologie an und wurden auf diese Weise schuldig im gigantischen Räderwerk des Nationalsozialismus. Polakovics beobachtet sich, seine Umgebung, seine Vorgesetzten und den Jargon. Er denkt in diesem Buch nicht nur über das nach, was sich damals ereignete, sondern auch darüber, was sich im Abstand von weiteren zwanzig Jahren in Österreich ereignet hat.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.08.2003
Ein "ästhetisches Experiment", das mit wütender Kraft an einer Bewältigung des Erlebten arbeite, sieht Rezensent Paul Jandl in Friedrich Polakovics' "Versuch über den Krieg". Wie er berichtet, begann Polakovic 1966, 22 Jahre nach seiner Stationierung in der Normandie, seine Erinnerungen an die letzten Weltkriegsmonate, die Angriffe der Alliierten und seine Zeit in amerikanischer Gefangenschaft aufzuzeichnen - der entstandene "Großessay" wird jetzt zum 80. Geburtstag des Schriftstellers veröffentlicht. In seine Aufzeichnungen montiere Polakovics Briefe, Fotos und Dokumente, der "harte Ton des verrohten Kriegsalltags" wechsle mit Passagen "lyrischer Überhöhung", und auch die Gegenwart der sechziger Jahre bleibe nicht außer Betracht, hält Jandl fest. Er hebt hervor, dass Polakovics die historisch-technischen Details der letzten Kriegsmonate nur "am Rande" interessieren. Polakovics' Maßstab sei eine "radikale Subjektivität", erklärt Jandl, "die die erfahrene Grausamkeit des Zweiten Weltkriegs als Katastrophe der Kultur begreifen will."
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