Fritz Rudolf Fries' Essays zur Literatur sind Ausdruck seines großen literarischen Interesses, das sich weder auf Epochen noch auf Stile eingrenzen lässt.Die knapp fünfzig Texte zur Literatur, die dieser Band versammelt, reichen zeitlich von den späten fünfziger Jahren bis in Fries' Todesjahr 2014, und zeigen einen Autor, der sich mit unterschiedlichsten Autoren und Werken befasste und dabei mit außergewöhnlichem literarischen Gespür nie die Freude daran verlor, literarische Neuentdeckungen zu machen. Neben Autoren wie Daniel Kehlmann, dessen Debüt Fries mit großer Zustimmung rezensierte, oder Thomas Pynchon beschäftigte sich der in Bilbao geborene Fries besonders auch mit der spanischsprachigen Literatur. Der vorliegende Band zeigt nun, dass sich diese Auseinandersetzung nicht auf bestimmte Stile oder Epochen beschränkte. Vielmehr reichen die Texte von spanischen Schelmenromanen des 16. Jahrhunderts über Miguel de Cervantes bis in die Moderne. Hier begegnen dem Leser bekannte Namen spanischer und lateinamerikanischer Autoren wie Federico García Lorca, Jorge Luis Borges, Carlos Fuentes, Pablo Neruda oder die Nobelpreisträger Octavio Paz und Mario Vargas Llosa.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.04.2026
Fritz Rudolf Fries war einer der bedeutendsten Kenner der spanischsprachigen Literatur in der DDR, weiß Rezensent Jobst Welge, 28 seiner literaturkritischen Texte hat Helmut Böttiger nun in diesem Band versammelt und herausgegeben. Für Welge ist es ein wenig bedauerlich, dass Böttiger nicht klarmacht, nach welchen Kriterien die Texte ausgewählt wurden, auch eine vollständige Übersicht von Fries' Übersetzungen von Bunuel bis Cortázar hätte ihn gefreut, das sind aber auch schon die einzigen Mängel. Seine Texte über Vargas Llosa oder Lorca beeindrucken den Kritiker durch ihre Kenntnisfülle ebenso wie durch ihre zur Relektüre anregende stilistische Lockerheit. Auch die politischen Verbindungen, die Fries zwischen den Texten und der DDR zieht, sind spannend, etwa, wenn von der "Irrealität des Scheins" gesprochen wird, die von einer Stadt bei Cervantes ausgeht, oder wenn die Frage erörtert wird, ob man die Welt auch "aus dem Bullauge des heimatlichen Fernsehens" erfahren kann, lesen wir. Welge ist jedenfalls hochzufrieden mit der Textsammlung, die sowohl über spanische als auch deutsche Literatur, sowie über Fries' eigenes Schreiben eine Menge Spannendes verrät.
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