Aus dem Spanischen von Dagmar Ploetz. Mit seiner Spanien-Trilogie spannte Rafael Chirbes (1940-2015) einen großen Bogen von der Herrschaft der Faschisten und der Politisierung der Jugend in den 1960er Jahren ("Der lange Marsch") über den spannungsgeladenen Tag im November 1975, als Franco starb ("Der Fall von Madrid"), bis zum Aufbruch in die Demokratie und zur ernüchternden Bilanz der früheren Revolutionäre in den 1990ern ("Alte Freunde"). In feinen Momentaufnahmen aus dem Leben ganz gewöhnlicher Leute - ob Schuhputzer, Großindustrielle, Bauern oder Hausangestellte, Kollaborateure oder linke Studenten im Widerstand - verwebt Chirbes deren Hoffnungen und Enttäuschungen zu einer Geschichte des Landes von unten, einer Geschichte, die von den Menschen her erzählt wird.Ein großes literarisches Panorama der spanischen Gesellschaft im 20. Jahrhundert von ungebrochener Relevanz: Wer verstehen möchte, welche Schäden der Faschismus in Gesellschaften anrichtet, sollte Chirbes' Bücher lesen.
Rezensent Ruthard Stäblein entdeckt begeistert die zur Frankfurter Buchmesse auf Deutsch erscheinenden Tagebücher des spanischen Schriftstellers und Klassenkämpfers Rafael Chirbes, wirft aber auch einen Blick auf seine bereits bekannte Spanien-Trilogie, die derzeit neu aufgelegt wird - beide Werke beeindrucken ihn auf jeweils eigene Art: Während die Bände der Trilogie in sarkastisch distanziertem, zunehmend nüchternem Tonfall (inspiriert von Flaubert, so Stäblein) von der Franco-Ära und ihrem Nachklang erzählen, wobei Chirbes mit erstaunlichem Einfühlungsvermögen sowohl den Franco-Gegnern als auch -Befürwortern "unter die Schädeldecke" krieche, so zeigen die Tagebücher, verfasst zwischen 1984 und 2005, den Schriftsteller von seiner verletzlichen und selbstzerstörerischen Seite, staunt Stäblein. In diesen Ausführungen zu seiner Herkunft aus dem Arbeitermilieu, seinem Engagement gegen das Franco-Regime und zum Sexleben des schwulen Autors sieht und schätzt der Kritiker vor allem eine Biografie "im Sinne von Mandelstams plebejischem Intellektuellen", die ihren Erkenntnisgewinn weniger aus erinnerten Ereignissen als vielmehr aus vergangenen Lektüren ziehe. Chirbes' große Anerkennung gegenüber der Arbeiterklasse ist es für Stäblein dann schließlich auch, die für sein gesamtes Werk als "prägend" hervortritt.
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