Vom gemeinsamen Altwerden. In der Villa Klestiel, irgendwo zwischen Wannsee und Schlachtensee gelegen, haben sich um die Jahrtausendwende Menschen zusammengetan, um so selbstbestimmt wie möglich miteinander zu altern: Schauspieler, Weltreisende, Juristen, Kritikerinnen, Akademikerwitwen, die das Alleinsein nicht ertragen, Kommunismusforscher, Westberliner, die die Welt nicht mehr begreifen, darunter Menschen, die sich selbst als 68er verstehen oder auch von anderen so (miss-)verstanden werden.
Wunderbares Buch, findet Jochen Schimmang, und das fast ohne Einschränkungen. Ein bisschen mehr Mut mit den Klarnamen der hier auftretenden Westberliner Ikonen von damals ist alles, was er einfordert. Sonst macht ihm Gabriele Weingärtners Roman uneingeschränkt Spaß. Die Geschichte einer Zehlendorfer 68er-WG und ihrer Bewohner, ihrer Beziehungen untereinander und vor allem ihrer Vergangenheiten, die Weingarnter wie Kaninchen aus dem Hut zaubert, und jedesmal ist es eine echte Überraschung, findet Schimmang gekonnt erzählt. Er lobt die erzählökonomische Perfektion der Autorin, etwa, wenn sie die 60er und 70er Jahre im guten alten Westberlin vor den Leseraugen auferstehen lässt. Schimmang sieht förmlich das alte Schillertheater vor sich, Steins Schaubühne, Amerikahaus, Thielplatz, FU. Und wenn auch jede Gestalt im Lauf der Story ihre dunkle Seite zeigt, Weingartner, meint Schimmang, entblättert sie ohne Häme.
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