Kaum ein zeitgenössischer Künstler begründet sein Werk so konsequent aus einem Bewusstsein von Krise wie Santiago Sierra. In diesem Oeuvre stellt Ausbeutung ein zentrales Motiv dar. Georg Imdahl untersucht das Thema in seiner doppelten Ausrichtung: als künstlerische Kritik an der ökonomischen Ausbeutung im Billiglohnsektor sowie als Praxis der Appropriation von Schlüsselwerken seit den 1960er-Jahren. Als zeitgenössisch erweist sich Sierras Arbeit in der kontinuierlichen Reflexion ökonomischer, politischer, ethischer und ästhetischer Zusammenhänge wie auch in der konsequenten Rückkopplung des eigenen Ansatzes mit eben jener Inkubationsphase der zeitgenössischen Kunst in den 1960ern. Vor diesem Hintergrund erörtert der Essay anhand ausgewählter Werkbeispiele und Werkvergleiche Funktion und Ertrag von Referenzen in einem Oeuvre, das heute bereits als Klassiker einer konfliktuell sich verstehenden Kunst gelten kann. Der Kontroverse um Sierras Intervention "245 m³" in der ehemaligen Synagoge Stommeln aus dem Jahr 2006 widmet die Untersuchung ein eigenes Kapitel.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.03.2019
Katharina Rudolph lernt von Georg Imdahl, den Skandalkünstler Sierra zu verstehen. Kenntnisreich findet sie Imdahls Essay, der ihr den Sinn von Sierras Kunst, die den Arbeiten folgende Diskussion der Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft, offenbart. Wie Sierra sich dafür bei Arte Povera, Performance-Kunst und Minimal Art der Sechziger und Siebziger bedient, erläutert ihr der Autor auch. Luzide weitet der Autor den Blick von Sierras Arbeit auf die zeitgenössische Kunst an sich, meint Rudolph.
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