Ab dem späten 17. Jahrhundert wurde es in den Stiften der Benediktiner, Zisterzienser, Augustiner-Chorherren und Prämonstratenser zunehmend üblich, Leichenpredigten für die verstorbenen Äbte und Pröpste drucken zu lassen. Im katholischen Bereich war dies sonst nur im Adel allgemein verbreitet, so dass dem Medium die Funktion eines Standeszeichens zukam. Darüber hinaus erfüllte der vorgetragene und der im Druck dokumentierte Text eine Reihe weiterer Funktionen. Dem Anlass entsprechend waren die Predigten vor allem Teil der zu bewältigenden "Trauerarbeit". Der Prediger brachte stellvertretend für die Hinterbliebenen die Verlustgefühle zum Ausdruck. Die Rückschau auf das Leben des Klostervorstehers erfolgte unter starker panegyrischer Überhöhung. Schließlich wurden den Trauernden stets auch "Trostargumente" vor Augen geführt. Das Prälatenlob konnte dabei für eine Reihe weiterer Zwecke instrumentalisiert werden: Neben der ständischen Repräsentation ist der Vorbildcharakter für Religiosen und Weltliche zu nennen, die Darstellung und Stärkung der korporativen Identität des Konvents und schließlich die Auseinandersetzung mit antimonastischen Tendenzen in der aufklärerischen Publizistik. Der Anhang an den monografischen Teil enthält einen Katalog aller bisher zu ermittelnden Leichenpredigten für bayerische Äbte und Pröpste und die Edition zweier Trauerreden aus den Benediktinerklöstern Rott (1726) und Mallersdorf (1795).
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.12.2012
Dem Schnitter ans Bein pinkeln? Wie das geht, lernt Rudolf Neumaier ausgerechnet bei Kirchenmännern, etwa dem Benediktiner Minichsdorfer oder anderen Klostergeistlichen. Zusammengetragen und inhaltlich und stilistisch analysiert hat die teils deftigen Leichenpredigten Georg Schrott. So gelesen stellen sie für den Rezensenten sogar ein eigenes literarisches Genre dar, wenn auch nicht von großer poetischer Qualität, wie er zugesteht. Dafür beglücken die Texte Neumaier als geistesgeschichtliche Quellen.
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