Aus dem Amerikanischen von Jutta und Theodor Knust. Herausgegeben und mit einem Prélude sowie einem Antheil-Alphabet versehen von Rainer Peters und Harry Vogt. Mit Begleit-CD: 68,00 DM. Die Wahrheiten dieses Lebensberichts sind so erstaunlich wie seine Flunkereien amüsant: Es stimmt, dass »tout Paris« von seinem Klavierspiel und seinen Kompositionen sprach und begierig auf den nächsten Skandal wartete, es stimmt, dass er auch und gerade bei Konzerten eine Pistole im Schulterhalfter trug, dass Ezra Pound ein Buch über ihn geschrieben hat und dass sein außerordentliches Talent für Freundschaft ihm die Verbindung mit fast allen illustren Gestalten der Pariser Kunstszene einbrachten: Strawinski und Picasso, Joyce und Léger, Cocteau und Hemingway.
Björn Gottstein geht in seiner Rezension in kurzer Form auf das kompositorische Werk Antheils und seine Bedeutung für die Musikgeschichte ein. Jedoch wird erst am Ende seiner Besprechung deutlich, dass ihm das Buch offenbar gefallen hat. Denn zunächst mokiert er sich über Antheils Verteidigung des "romantischen Ausdrucksideals" und die vom Komponisten unterstrichene Bedeutung Beethovens ("lauter Quatsch", so Gottstein). Dass Antheil durch recht fantasievolle Legenden eifrig an seinem eigenen Mythos gebastelt hat, scheint den Rezensent wenig zu stören, haben die Geschichten doch einigen Unterhaltungswert. Als Beispiel nennt Gottstein u. a. die Schilderung Antheils von seiner Affäre mit einer Schlangentänzerin, vor deren Python Antheil einst nackt auf die Straße fliehen musste. Antheil ist stets auf Pointen aus, findet Gottstein, gleichzeitig vermittle das Buch einen Eindruck von dem "künstlerischen Aufbruch der 20er Jahre", wenn auch oftmals überzeichnet. Sinnvoll findet Gottstein das in dieser Neuauflage angefügte "kommentierende Antheil-Alphabet" sowie Äußerungen von Zeitgenossen, die manche Äußerungen des Komponisten relativieren, aber auch so manche Eskapade als wahrheitsgetreu erzählt bestätigen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.07.2000
"Mein Gott, wir sollen ein Piano in unsere Torpedos packen", so zitiert Viktor Rotthaler den Autor, der die ungläubige Reaktion einiger Militärs angesichts des von ihm zum Patent angemeldeten Antheil-Lamarr-Geschosses beschreibt. Der Komponist Antheil, der mit seinem "ballet mécanique" in Paris Furore gemacht hatte, verstand nämlich etwas vom Lochstreifensystem des Pianolas, das er geschickt auf artfremde Vorgänge zu übertragen wusste. Will man dem Rezensenten Glauben schenken, so gibt es noch einige andere unglaubliche Geschichten bei Antheil, die in der pünktlich zu seinem hundertsten Geburtstag "mustergültig" wiederaufgelegten Autobiographie nachzulesen sind; im Fall des angemeldeten Patentes kam die Wahrheit 1997 ans Licht: Antheil und die Miterfinderin, die Schauspielerin Hedy Lamarr, wurden für ihre Entdeckung mit dem "Pioneer Award" ausgezeichnet - was den ungläubigen Rezensent zum Glauben bekehrte.
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