George Packer

Die Abwicklung

Eine innere Geschichte des neuen Amerika

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Gregor Hens. Das große Versprechen von Glück und Wohlstand für alle gilt nicht mehr. Institutionen und Werte sind ausgehöhlt. Es zählt nur noch eine Macht: das organisierte Geld.Mittels eindringlicher Portraits schafft der Autor George Packer eine einzigartige literarische Collage, die eine Nation in Auflösung zeigt. Das große Sachbuch, das über Amerika hinaus auch uns die wesentliche Frage stellt: In welcher Welt wollen wir leben

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.01.2015

Stefan Fröhlich findet den Ruhm, der der deutschen Ausgabe des Buches des Journalisten George Packer vorauseilt, berechtigt. Packers schonungslose und nüchterne Bestandsaufnahme zur Lage der amerikanischen Nation anhand von vierzehn prominenten wie unbekannten Biografien steht für ihn in der Tradition großer Erzähler wie John Dos Passos, Philip Roth oder John Steinbeck. Zwischen Sachbuch und Roman angelegt, bietet das Buch ihm Einblick in den Stand der Dinge, in eine tief gespaltene Nation, bestimmt von der Resignation kleiner Leute einerseits und dem schier grenzenlosen Kapital der Großkonzerne andererseits. Die Gegenüberstellung von Milliardären wie Sam Walton oder Bill Gates und Sozialarbeitern und Kleinunternehmern liest Fröhlich nicht als Plädoyer für den Wohlfahrtstaat, sondern Aufruf zur Selbstbefähigung des Einzelnen durch die Beschneidung der Banken- und Konzernmacht.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.10.2014

Mit größtem Interesse hat Rezensent Bernd Greiner George Packers Buch "Die Abwicklung" gelesen, in dem der Reporter des New Yorkers eine äußerst lesenswerte Collage über die innere Geschichte Amerikas anhand der beiden Städte Tampa in Florida und Youngstown in Ohio geschaffen hat. Der Kritiker folgt darüber hinaus den Schicksalen von dreizehn Personen aus verschiedenen Schichten, etwa Oprah Winfrey, deren amerikanischer Traum wahr wurde, oder Tammy Thomas, die in den Sozialruinen von Ohio ums Überleben kämpft. Kopfschüttelnd liest Greiner, dass die Gründer von Walmart so viel Geld besitzen wie die unteren 30 Prozent der Amerikaner und stellt fest, dass auch dem sprachmächtigen Autor angesichts der Missstände kaum noch Synonyme für seine Empörung einfallen. Packers These, dass die einigermaßen sozialverträgliche Regulierungen wie in den dreißiger bis achtziger Jahre an der neoliberalen Lobby aus Wirtschafts- und Finanzmagnaten scheiterten, kann der Rezensent nur zustimmen. Dieses Buch ist gewichtiger als manche politikwissenschaftliche Analyse, urteilt Greiner.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.08.2014

Michael Hochgeschwender braucht einen Moment, bis sich die vielen Porträts, die der amerikanische Journalist George Packer zeichnet, zu einem einheitlichen Bild fügen, aber dann erschließt sich ihm auch die ganze Grandiosität des Buches. Denn für sich genommen, findet der Rezensent nicht alle Reportage gleich spannend, deutlich hervor stechen vier geradezu "epische Darstellungen" über einen Kleinunternehmer, eine Sozialarbeiterin, einen Politikberater und einen Internetunternehmer. Packer schreibt hier ohne alle Sentimentalitäten, mit klaren und souveränem Blick auf die Menschen, die ihm zum Sinnbild werden für den ausgeträumten amerikanischen Traums: Nach zwanzig Jahren Neoliberalismus und Finanzkapitalismus stehen Aufstieg und Erfolg längst nicht mehr jedem offen, der es aus eigenem Antrieb versucht. Und schlimmer noch als der Abbau des Sozialstaats erscheint Hochgeschwender der bröckelnde Zusammenhalt in den USA. Am schwersten trifft ihn aber das Fehlen jeglichen Optimismus, was er bei amerikanischen Autoren so noch nicht erlebt hat.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.07.2014

George Packers "Die Abwicklung" ist ohne Frage ein wunderbares journalistisches Sachbuch, findet Jens-Christian Rabe. Der Politikjournalist analysiert darin entlang exemplarischer Biografien einiger prominenter (etwa "Talkshow-Fürstin" Oprah Winfrey, Ökonom Robert Rubin und RepublikanerColin Powell) und einiger weniger prominenter (eine Sozialarbeiterin, ein Politikberater, ein glückloser Unternehmer sind darunter) Amerikaner die diversen gesellschaftlichen Krisen der USA auf virtuose Weise, fasst der Rezensent zusammen. Warum es aber nicht reicht, ein so wunderbares Sachbuch wie dieses auch als solches zu benennen, sondern ständig von der "ganz große Erzählung der Zeit" gesprochen werden muss, will Rabe nicht einleuchten. Vielleicht hat es mit dem Anspruch der "Wahrheitlichkeit" der Literatur selbst zu tun, vermutet Rabe, die komme dieser Tage kaum ohne "Legierung mit dem Kitzel des Realen" aus. In Zeiten gleichzeitiger Desillusionierung und Ungewissheit möchten wir auf unterhaltsame Weise erfahren, was denn nun eigentlich der Fall ist, erklärt der Rezensent. Dafür brauchen wir Autoren wie Packer, die mit uns auf der "Seite der Ohnmacht" stehen, so Rabe.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.07.2014

Andreas Fanizadeh im Leseglück: Die hier versammelten, im Stil des New Journalism verfassten Porträts des "New Yorker"-Redakteurs George Packer lesen sich nicht nur allesamt wie aus einem sehr subjektiven Blickwinkel geschriebene Novellen, sie lassen auch tief blicken in Umbrüche und Verwerfungen der amerikanischen Gesellschaft: Hier geht es übergreifend um die "multiperspektivische Abbildung einer ganzen Nation", gerade so als würde Jonathan Franzen vom Familienroman weg hin zur Soziologie finden, meint der Rezensent. Zu diesem Zweck porträtiert Packer Gewinner und Verlierer der Umwälzungen der letzten 50 Jahre - und protokolliert damit auch das Auseinanderdriften der USA. Packers Emphase, wenn er sich mit der hart arbeitenden, sich vom Leben jedoch nicht unterkriegen lassenden Unter- und Mittelschicht befasst, lässt den Kritiker dabei durchaus ans Sozialpathos eines Bruce Springsteen denken. Problematisch findet Fanizadeh es nur, wenn Packer sich dem Zentrum der Macht zuwendet: Je mächtiger die porträtierte Person, desto klischierter die Texte. Was aber am insgesamt positiven Gesamteindruck des Rezensenten nichts ändert: Nicht zuletzt ist dieses Buch als praktisches Exempel auch ein dankbar angenommenes Plädoyer für qualitativ guten, auf eigener Rechercheleistung basierenden Journalismus.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.07.2014

Die erste Great American Novel des einundzwanzigsten Jahrhunderts ist ein Sachbuch, verkündet Michael Naumann: George Packers "Die Abwicklung" liefert in nüchternem Ton eben jenen Querschnitt der Gesellschaft, den auch die großen amerikanischen Schriftsteller freizulegen wussten, so der Rezensent. Packer entwickelt sein Buch an den Biografien von vierzehn exemplarischen Amerikanern entlang, manche berühmt, andere vollkommen unbekannt, erklärt Naumann. Besonders beeindruckend fand der Rezensent die Geschichte von Tammy Thomas, die im Schwarzenghetto der Stahlstadt Youngstown in Ohio aufgewachsen ist, einer Stadt, die nach dem Zusammenbruch der Stahlindustrie der Mafia und den Drogen zum Opfer fiel. Packer nutzt die einzelnen Biografien, um Schlaglichter auf ihren individuellen Kontext zu werfen, den er dann mit soziologischem Scharfsinn in größere gesellschaftliche Zusammenhänge einbettet, lobt Naumann.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 28.06.2014

Für Mladen Gladic ist das Buch des "New Yorker"-Redakteurs George Packer das Buch zur Krise der amerikanischen Nation. Beeindruckt hat den Rezensenten vor allem Packers Arbeitsweise. Dass der Autor Wochen mit seinen Protagonisten, geschassten Arbeitern allesamt, verbracht hat, in ihren Häusern gewohnt und ihnen zugehört hat und dass er große Sympathie für sie hat, konnte der Rezensent auf jeder Seite spüren. Gleichfalls spürbar ist für Gladic Packers Zorn auf die politischen und wirtschaftlichen Eliten des Landes, die er für die Misere verantwortlich macht. Das Buch liest Gladic als Verfallsgeschichte am Beispiel von Helden und Schurken, als Verfall einer Wirtschaftsmacht, aber auch einer Weltanschauung: des Liberalismus.