Übersetzt aus dem Niederländischen von Lisa Mensing. Ein Junge springt in einen Kanal, um seinen verbeulten Tischtennisball zu retten. Ein Mädchen isst tagelang nichts, um für ihren Musicalauftritt perfekt auszusehen. Eine Katze spendet keinen Trost mehr, sondern wirft bedenkliche Fragen auf. Ein Junge verletzt sich selbst, um zu verhindern, weiter bei seinen Eltern wohnen zu müssen. Eine junge Frau riskiert das Leben eines Babys, um es behalten zu können. Ein Mann legt sich auf ein Gleis, um herauszufinden, ob er noch etwas spürt - und bekommt Antworten von einer Amsel. Gerda Blees schreibt in zehn Geschichten über Menschen, die (manchmal auch nur fast) an ihr Lebensende kommen - ohne dabei unbedingt ans Sterben zu denken. Unfälle, Zufälle und andere Umstände sind es, die das Unvermeidbare eintreten lassen und die Ambivalenzen und Widersprüche des Menschseins offenbaren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.01.2026
Ziemlich plötzlich überfällt der Tod die Protagonisten von Gerda Blees' Erzählungen, das ist zwar ein zentraler Punkt in diesem Band, aber vielleicht nicht der Kern, hält Rezensent Jochen Schimmang fest, denn das ist fehlschlagende Kommunikation. Ein Junge stirbt, weil er bei seinem Versuch, einen Ball aus einem Gitter zu befreien, von einem Greifarm erschlagen wird, die warnenden Rufe der Nachbarin verhallen ungehört, eine junge Frau stiehlt ein Baby und legt es einfach zu lange in die Gefriertruhe, weil sie nicht in der Lage ist, den Postboten abzuwimmeln, lesen wir erstaunt und geschockt. Ein bisschen nutzt es sich schon ab, dass jede der Geschichten ein dramatisch-tödliches Finale erwarten lässt, meint Schimmang, aber insgesamt hat er die drastisch-kühl aus der Wir-Perspektive erzählten Texte mit Interesse gelesen und freut sich auf mehr von der Autorin.
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