Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.02.2002
Gemischte Gefühle hinterlässt dieser Sammelband bei Rezensent Christoph Jahr, der mit dem hübschen Satz "Überall in der Zivilisation Ritzen sieht man also die Gewalt sitzen" sein halb zustimmendes und halb enttäuschtes Resümee zieht. Zustimmend, weil an der Tatsache der ausgeübten Gewalt auch im Abendland seit dem Kreuzzug von 1096 nicht zu rütteln ist. Nicht einleuchten will Jahr allerdings, warum die Herausgeber dieses Datum so abrupt und ohne Vorgeschichte setzen. Für ihn ist Gewaltgeschichte nur als Beziehungsgeschichte denkbar, bei der die erfahrene Gewalt eine ebenso große Rolle spielt wie die anderen gegenüber ausgeübte Gewalt. Unklar ist Jahr außerdem die Definition von Gewalt: Ist damit auch Amtsgewalt, oder nur physische oder gar strukturelle Gewalt gemeint, fragt er. Generell müssten sich die Leser in jedem Beitrag den Gewaltbegriff neu erarbeiten, das sei schlicht etwas mühselig. Und dass die "Verfleißigung der Zeit" in den Gewaltkanon gehört, möchte er außerdem bezweifeln.
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