Fabian Klose

"In the Cause of Humanity"

Eine Geschichte der humanitären Intervention im langen 19. Jahrhundert. Habil.
Cover: "In the Cause of Humanity"
Vandenhoeck und Ruprecht Verlag, Göttingen 2019
ISBN 9783525370841
Gebunden, 516 Seiten, 70,00 EUR

Klappentext

Die Frage, ob, wann und wie die internationale Gemeinschaft auf Verletzungen humanitärer Normen und damit verbundene humanitäre Krisen reagieren soll, gehört zweifellos zu den vieldiskutierten Themen auf der Agenda der heutigen internationalen Politik. Allerdings tauchte diese Problematik nicht erst am Ende des 20. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts plötzlich aus dem Nichts auf, sondern bereits im Verlauf des "langen 19. Jahrhunderts" setzte man sich kontrovers mit dieser Problematik auseinander.
Anhand ausgewählter Fallbeispiele wie dem Kampf gegen den Sklavenhandel (1807-1890), den Militärinterventionen der europäischen Großmächte zur humanitären Nothilfe für christliche Minderheiten im Osmanischen Reich (1827-1878) oder dem Eingreifen der Vereinigten Staaten in den kubanischen Unabhängigkeitskrieg (1898) untersucht Fabian Klose die militärische Praktik und die völkerrechtlichen Debatten zum Schutz humanitärer Normen gewaltsam einzugreifen.
Insgesamt etablierte sich in dieser Epoche die Idee der humanitären Intervention als ein anerkanntes Instrumentarium in der internationalen Politik. Eine zentrale Schlüsselrolle bei der Entstehung eines neuen humanitären Interventionsverständnisses übernahm der bewaffnete internationale Kampf gegen den Sklavenhandel als Urtyp der humanitären Intervention. Als Folge kam es zur Ausbildung völkerrechtlicher Leitlinien, die als Begründung für das militärische Eingreifen in verschiedenen Krisenregionen dieser Welt dienten. Das "lange 19. Jahrhundert" kann demnach als das genuine "Jahrhundert der humanitären Intervention" charakterisiert werden, in dem es zu einer signifikanten Verzahnung von militärischem Interventionismus unter dem Banner der Humanität mit kolonialen und imperialen Projekten kam.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 29.08.2019

Der hier rezensierende Afrika-Historiker Andreas Eckert ist auf kritische Weise sehr einverstanden mit Kloses preisgekröntem Buch. Zwar sei es nicht immer sehr zugänglich geschrieben, biete aber dennoch eine große Fülle an Hin- und Nachweisen dafür, dass die Frage militärischer Interventionen im Namen "humanitärer Normen" ein Kind schon des 19. Jahrhunderts ist. Ganz ausschlaggebend dafür, erklärt Eckert, war die Frage des Sklavenhandels und der Sklavenhaltung. Dass solche Überlegungen besonders auf britischer Seite immer auch geopolitische und ökonomische Aspekte gehabt hätten, ist für Eckert "ein alter Hut" und manch andere These scheint ihm auch ein wenig "redundant". Und doch hat Klose hier mehr "für eine universalgeschichtliche Perspektive" zu bieten als manch anderer Historiker, der sich damit schmückt, lobt er.