Michael Aldrian, der lange bei der Oper als Souffleur gearbeitet hat, reist im Winter nach Venedig, um seinen dort lebenden Bruder zu besuchen. Der aber scheint mitsamt seiner Frau spurlos verschwunden zu sein. Aldrian, der eigentlich vorhatte, einen Reiseführer über Venedig zu schreiben, macht sich in der vom Hochwasser heimgesuchten Stadt auf die Suche. Aber irgendjemand will ihn offenbar davon abhalten. Nacheinander erhält er eine Morddrohung, ein Paket mit Falschgeld und eines, in dem sich eine abgeschnittene Hand befindet. Unaufhaltsam und fast ohne sein Zutun wird er in eine Geschichte hineingezogen, in der er immer mehr vom Zuschauer zum Täter wird. Wie in einem Albtraum bewegt er sich durch die Stadt und erledigt fast nebenbei mehrere Menschen, die sich ihm in den Weg stellen. Ist er selbst wahnsinnig geworden oder ist es die Welt?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 18.10.2017
Rezensent Sven Hanuschek ist erleichtert, dass der neue Roman von Gerhard Roth nicht ganz so dick ist wie gewöhnlich bei diesem Autor. Verhältnismäßig freundlich erscheint ihm auch die Geschichte, in der es den Protagonisten nach Venedig verschlägt und dort an die schönen und weniger schönen geheimnisvollen Orte oder doch scheinbar, denn was hier Fiebertraum, was Wirklichkeit ist, vermag Hanuschek nicht zu unterscheiden. Die Paranoia des Helden packt auch ihn. Surreale Bilder, Venedigs Masken und ein zunächst ratloser Commissario halten ihn bei der Stange.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.10.2017
Rezensentin Kristina Maidt-Zinke zeigt sich befremdet von Gerhard Roths neuem Roman, der sie in ein winterliches Venedig entführt. Kalt ist jedoch nicht nur die Atmosphäre, kalt lassen die Rezensentin auch der Krimi-Plot um ein verschwundenes Pärchen, die Figuren, Roths glanzlose Diktion und die endlosen Details. Als hätte der Autor viel lieber einen Reiseführer geschrieben, findet die Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.10.2017
Dieser Krimiplot von Gerhard Roth hat weder Hand (außer einer abgehackten, die im Paket verschickt wird) noch Fuß, warnt eine tief enttäuschte Kristina Maidt-Zinke. Steif und trocken kommt ihr die Handlung vor. Und kalt. Es ist Winter in Venedig, und es schneit, und es ist Hochwasser. An seinem 75. Geburtstag wolle Roth nun also ins leichte Fach wechseln, aber das misslinge ihm mit nervender Gründlichkeit. Als gelehrten Reiseführer könnte man das Buch immerhin noch goutieren, so die Rezensentin, aber dieser Stoff steht bereits in zahlreichen anderen Essays zur Verfügung. Am Ende gibt die Rezensentin ihrem Befremden über die glanzlose Prosa des vielfach preisgekrönten Autors noch einmal Raum.
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