"Venedig ist ein leeres Blatt?" Zsuzsanna Gahse beschreibt dieses Blatt mit den Notaten einer unstimmigen Liebesaffäre. Bei einem längeren Aufenthalt in der Lagunenstadt sieht sie keineswegs die Glanzseiten der Kulissen, von denen die meisten Bücher über Venedig und entsprechend auch die Touristen schwärmen. Sie beobachtet ihre Nachbarn, das geschäftige Treiben auf dem Wasser und in den steinernen Gassen, sie beobachtet die Besucher, die kaum ein paar Tage bleiben. Venedig sehen heißt für Zsuzsanna Gahse, sich nicht auf vorgegebene Schlagwörter einzulassen. Eine lohnende Angelegenheit, denn bei genauerem Hinsehen sind mitten unter den Stadttouristen etliche Figuren aus der Commedia dell´arte zu entdecken.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.01.2011
Hansjörg Graf hat zwei in kurzem Abstand erschienene Bücher von Zsuzsanna Gahse gelesen, die er als kühne Gegenstücke bewundert. Neben der stabilen Struktur der "Donauwürfel" wählt die Autorin in "Das Nichts in Venedig" mit seinen vielen fast leeren Seiten und den zumeist nur wenige Zeilen umfassenden Beobachtungen und Überlegungen über Venedig eine wesentlich losere Form, konstatiert der Rezensent. Gahses Blick auf die Lagunenstadt entpuppt sich als ausgesprochen dekonstruktivistischer Zugriff, der das oft besungene Venedig als "Fake" und "Nepp" entlarvt und sich zugunsten des "Möglichen" immer weiter vom "Wirklichen" entfernt, wie der faszinierte Graf feststellt.
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