Gerhard Schulze schreibt über Events und öffentliche Selbstentblößung, über Comedy und Quotendenken. Seine Essays sind Streifzüge durch unsere Sozialwelt auf der Suche nach einer neuen Deutung. An die Stelle der altbekannten Niedergangsdiagnose tritt der Befund eines kollektiven Lernprozesses.
Thomas Assheuer stimmt dem Autor zunächst zu, dass, wenn Kulturkritik überholt sei, nur noch die genaue Beschreibung ihrer Gegenstände übrigbleibe. Doch stellt der Rezensent fest, dass Schulze im Laufe seiner Essays in Widerspruch zu seinen eigenen Thesen gerät und zu dem Kulturkritiker wird, dem er zuvor noch die "Totenglocke" geläutet hat. "Liebenswürdig inkonsequent" findet es Assheuer, dass sich der Autor hier in einen melancholischen Beurteiler wandelt, dem die "postmoderne Gleichgültigkeit nicht gleichgültig ist".
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 13.10.1999
"Schulzes Streifzüge sind sympathisch und anregend", findet Georg Seeßlen und erläutert in seiner Rezension die zentralen Thesen des Autors. Schulzes Trennung zwischen "lügnerischer" und "spielerischer" Kulisse in der Eventkultur erinnert den Rezensenten an die Art von Freiheiten, die - einmal errungen - gleich neue Zwänge nach sich ziehen. Darüber hinaus geht Seeßlen auf Schulzes Überlegungen zur Steigerungslogik in den Medien ein und erläutert recht angetan die These des Autors, dass der Verdrängungswettbewerb (z. B. im Fernsehen) sich in Zukunft nicht mehr so sehr um die Vermittlungsform drehen wird, sondern um Inhalte. Das Augenmerk wird sich, so Seeßlen, in Zukunft mehr auf den Grad der Aufmerksamkeit des Konsumenten richten. Diese Aufmerksamkeit sei aber immer schwieriger zu erreichen, da die Faszination immer schneller nachlasse und in Langeweile kippe. Manchmal renne der Autor jedoch auch "offene Türen ein", meint Seeßlen, da die von Umberto Eco einst ins Spiel gebrachte "Dualität von `Apokalyptikern und Angepassten`" sich längst überholt habe. Nach Seeßlens Ansicht herrscht nun ein neuer Typus des Medien-Konsumenten vor: Dieser ist kritisch und steht den Medien dennoch mit wenig Distanz gegenüber. Eher bedient er sich der Ironie. So könne man sogar einen "Bundesliga-Kommentar von Gerd Rugenbauer" als "Kunstwerk der Steigerungslogik" betrachten.
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