Nicht fremde Terroristen bedrohen unsere Zivilisation, sondern innere Kräfte: Die westlichen Gesellschaften opfern gerade ihre über Jahrhunderte erkämpften Freiheiten den Launen eines neoliberalen Marktes. Wie der Mensch wieder zum Maß aller Dinge wird, zeigt Horst Kurnitzky in seinem engagierten Plädoyer.
Der Titel des Buches von Horst Kurnitzky könnte auf eine "avancierte" Betrachtung der Gegenwart hindeuten, erfülle aber nicht die geweckten Erwartungen, beschwert sich Dirk Knipphals. Der Rezensent lässt seinem Ärger über diese "dumpfe" Aufzählung neuer Apokalypsen freien Lauf. Wenn man schon, meint Knipphals, auf dem "neoliberalismus- und globalisierungskritischen Ticket" mitlaufen wolle, so solle man das wenigstens mit einem Mindestmaß an Reflexion tun. Kurnitzkys Diagnose hingegen, schimpft der Rezensent, die Menschheit lebe in der Hölle, erwecke den Anschein von "gedanklichem Tinnef".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.10.2002
Kurz und bündig stellt der Rezensent (Kürzel: rox.) das neue Buch von Horst Kurnitzky vor. Für den Berliner Philosoph und Religionswissenschafter zeigt sich die Spätmoderne in einem Gewand, das der Zivilisation spotte, vermerkt der Rezensent. Wie er weiter darlegt, sieht Kurnitzky statt gewaltfreier Formen der Konfliktlösung zunehmend den Einsatz archaisch-brutaler Gewalt am Werk - Raub und Überfälle, terroristische Angriffe, bewaffneter religiöser und ethnischer Wahn, Durchsetzung ökonomischer Interessen mit brutaler Gewalt. Der bewaffnete Kampf drohe (wieder) zur weltweit bevorzugten Form sozialer Auseinandersetzung zu werden. "rox." hebt hervor, dass Kurnitzky nicht zu jenen Autoren gehört, "die ihre Befunde in einer verblasenen Wolkensprache vortragen". Er würdigt Kurnitzkys Analyse als eine entschiedene, in vieler Hinsicht lesenswerte Kritik an einer Weltordnung, die den Menschen statt des Friedens eine Anpassung der Existenz an die Launen des Marktes und die Regeln des Warentausches gebracht habe.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…