Germaine Greer

Die ganze Frau

Körper Geist Liebe Macht
Cover: Die ganze Frau
dtv, München 2000
ISBN 9783423242042
Taschenbuch, 460 Seiten, 19,43 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Susanne Althoetmar-Smarczyk.Wo steht die Frauenbewegung heute? Germaine Greer, die scharfzüngigste und umstrittenste Autorin des Feminismus bezieht in diesem Buch Stellung und leistet eine Bestandsaufnahme zur Lage der Frauen. Körper - Geist - Liebe - Macht: Das sind die Eckpunkte dieser ebenso sachkundigen wie scharfen Standortbestimmung des Feminismus heute.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.12.2000

Es sei Zeit, wieder zornig zu werden, zitiert Rezensentin Sonja Zekri aus dem besprochenen Buch. Und zornig sei Germaine Greers Buch auf den folgenden vierhundertfünfzig Seiten dann auch. Aber diese Dauerwut fand die Rezensentin eher anstrengend, am Ende hat sie diese "Donna Quichotte" aber auch gerührt mit ihrem Versuch, "eine immer komplizierter werdende Welt in ihr dogmatisches Konzept zu quetschen". Vorher hat man noch von Greers weniger rührenden Versuchen gelesen, beispielsweise die Praxis der weiblichen Beschneidung als "eigenwillige kosmetische Praxis" statt als Verstümmelung zu deuten. Hat sie den iranischen Frauen applaudieren sehen, "die ihren Tschador anlegen, um verschleiert gegen Amerika zu protestieren". Manches, was in diesem Buch stand, hat die Rezensentin überrascht, vieles fand sie übertrieben und manches einfach dumm. Eigentlich wollte Germaine Greer, berichte Zekri, keine Fortsetzung des Buches "Der weibliche Eunuch" schreiben, das vor dreißig Jahren die Feministinnen "auf dem Weg in die Schlacht an ihrem Herzen trugen". Und es wäre der Rezensentin ganz lieb gewesen, wenn Greer dies Versprechen auch gehalten hätte.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.08.2000

Heide Oestreich stellt gleich im ersten Satz klar: Die Autorin ist mit ihrem Rettungsversuch der Emanzipation gescheitert. Wenig scheint übriggeblieben von Greers ehemaligem analytischen Geschick. Und glaubt man der Rezensentin, so ist dieses Buch beinahe eine Art Rundumschlag gegen fast jede nur denkbare Bevölkerungsgruppe: So wirft Greer "Karriere-Frauen" typisch männliche Aggression vor, andererseits kritisiert sie den `weiblichen Führungsstil`, weil dabei die Macht bei den Männern bleibt. "Strenger und bitterer" als früher beurteilt Greer die Männer, stellt die Rezensentin fest, da diese offenbar primär auf Sexbesessenheit reduziert werden. Oestreich findet es sehr bedauerlich, dass Greer zu immer wieder zum Mittel der "Dämonisierung und damit auch Überhöhung des Schwanzes" greift und genau damit das tut, was sie an anderen kritisiert.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.05.2000

In einer kurzen Besprechung stellt der Rezensent mit dem Kürzel "upj." fest, dass Germaine Greer, dreißig Jahre nach ihrem „feministischen Bestseller“ „Der weibliche Eunuch", ruhiger geworden ist. Ihre „Bilanz“ sei gedämpfter aber auch „philosophischer“, aber immer noch "scharf und mit beissender Ironie durchsetzt". Zur Illustrierung führt "upj." die Greers These an, dass „girlpower“ nur der Sand im Getriebe der Propagandamaschinerie in einer Welt der schwindenden „sozialen Bindungen“ sei.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.05.2000

Norbert Seitz gibt sich alle Mühe, auch diesem Buch den nötigen Respekt entgegen zu bringen - was nicht immer leicht gefallen sein dürfte, wie der Leser schnell ahnt. Denn Greer beklagt in ihrem Buch nicht nur -zu Recht - die in vielen Bereichen nach wie vor bestehende Benachteiligung von Frauen. Sie geht vielmehr so weit, auch die Ultraschalluntersuchungen bei Schwangeren als männlichen Übergriff auf die Frauen zu interpretieren und beklagt sogar die `Kriminalisierung weiblicher Genitalverstümmelung`, beispielsweise in Somalia. Ihre Begründung, dass Frauen das Recht hätten, `Gewalt über den Körper` auszuüben und sich selbst zu `schneiden`, verwundert nicht nur den Rezensenten. Im Vergleich dazu fallen ihre Urteile über Männer (`Spinner, auffällig, überspannt skurril`, `Fachidioten` etc.) kaum noch ins Gewicht. Seitz scheint es bedauerlich zu finden, dass die Autorin ihr eigentliches Anliegen, dem Feminismus erneut auf die Sprünge zu helfen, selbst sabotiert. Zu Recht klage Greer zwar den Schönheitswahn (Stichwort: Silikon) an. Seitz wundert sich aber, dass Greer lediglich eine Schwangerschaft als Grund für Penetration gelten läßt: Die von ihr unterstellte "Penetrationsgier" widerspreche ihrem eigenen "Befund, wonach der Sex der Jahrhundertwende sich vornehmlich auf Pornographie reduziere". Den Leser wundern die Zweifel des Rezensenten kaum, ob sich mit Behauptungen dieser Art "ein zweiter Feminismusschub" auslösen lasse.

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