Lesen galt, seitdem sich im 18. Jahrhundert ein bürgerliches Lesepublikum herausgebildet hat, als schädlich für Frauen: Ihre Sinnlichkeit mache sie phantasiereichen Einflüsterungen gewogen und verderbe sie für das wirkliche Leben. Insbesondere Romane hatten den Ruf, das Blut in Wallung zu bringen, las man sie doch - anders als die Folianten, mit denen sich die Männer abmühten, um ihren Verstand zu schärfen - mit nur einer Hand. Dennoch hat die Gattung überlebt und floriert gerade bei Frauen: 60% der Romane werden von Frauen gekauft. In ihrem Essay macht Gertrud Lehnert unmißverständlich klar, warum Frauen nicht in den Sex-Shop gehen werden, solange es Buchhandlungen gibt.
Recht aufschlussreich scheint Kolja Mensing den Versuch der Autorin zu finden, in einem Essay das Verhalten weiblicher Leser und Lesepädagogik der beiden vergangenen Jahrhunderte nachzuzeichnen. So zitiert er Lehnerts Beispiele hinsichtlich der Befürchtung, Frauen tendierten zu der distanzlosen Ansicht, ihr Leben müsse so aussehen wie das von beispielsweise "Madame Bovary". Patricia Dunckers "Die Germanistin" bilde dazu den Gegenpart. Hier verführe "die Leserin den Text", nicht umgekehrt. Etwas genervt zeigt sich Mensing von Lehnerts ganz "eigener Lesepädagogik". Mit ihrer Feststellung, dass neue deutsche Frauenliteratur nur oberflächliche Unterhaltung zu bieten habe, ist Mensing offensichtlich ganz und gar nicht einverstanden.
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