Dieses Buch macht all denen Mut, die sich tagtäglich um ihre Patienten sorgen. Es zeigt ihnen auf, wie wertvoll und unverzichtbar ihre Tätigkeit ist. Denn in der Heilkunde geht es immer um alles. Es geht um Entscheidungen, die sich auf die ganze Biografie eines Menschen auswirken. Dass dabei heute die Ökonomie vorherrscht, widerspricht den Werten, die Grundlage des Heilens sind. Giovanni Maio plädiert daher für eine Rückbesinnung auf Werte wie Geduld, Behutsamkeit, Reflexivität und Demut, ohne die Fürsorge für den Menschen nicht möglich ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.02.2019
Der hier rezensierende Medizinethiker Stephan Sahm hat nur wenig auszusetzen an diesem Buch des Philosophen und Mediziners Giovanni Maio. Dass das jährlich knapp 400 Milliarden Euro verschlingende deutsche Gesundheitssystem kurz vor dem Kollaps steht und Patienten im Zuge der Ökonomisierung immer weniger beachtet werden, kann ihm der Autor überzeugend darlegen. Wenn Maio allerdings Gesundheitspolitik und Management allein dafür verantwortlich macht und schreibt, dass Vertreter von Heilberufen nur durch die Umstände an ihrem sozialen Auftrag gehindert werden, erinnert Sahm an jene Ärzte, die die knappe Behandlungszeit dafür verwenden, dem Patienten überflüssige, nicht von den Krankenkassen übernommene Dienste aufzuschwatzen. Darüber, dass auch zahlreiche Patienten aus völlig unsinnigen Gründen ärztliche Dienste in Anspruch nehmen, liest der Kritiker hier ebenfalls nichts. Wenn der Autor allerdings mit Verweis auf Edmund Pellegrino, Hans-Georg Gadamer, Karl Löwith, Helmuth Plessner und anderen an die alten Tugenden der Heilberufe erinnert, kann der Rezensent das Buch nur dringend empfehlen.
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