Boris Groys

Philosophie der Sorge

Cover: Philosophie der Sorge
Claudius Verlag, München 2022
ISBN 9783532628782
Kartoniert, 160 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Zur menschlichen Existenz gehört elementar die Sorge. Sie besitzt vielerlei Formen: Fürsorge, Selbstsorge, Pflege oder medizinische Vorsorge. Spätestens mit der Pandemie wurde klar, dass der Körper nicht mehr Privatbesitz desSubjekts ist. Stattdessen wurde das leibliche Wohl beinahe vollständig sozialisiert, bürokratisiert und politisiert. Das Ich scheint die Selbstbestimmung an ein Gesundheits-System abgetreten zu haben. Der Philosoph Boris Groys lotet in seinem neuen Buch aus, ob und wie diese Autonomie wieder zurückgewonnen werden kann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.11.2022

Rezensent Uwe Justus Wenzel rät, das Buch von Boris Groys nicht auf Stringenz hin zu lesen. Groys' kulturkritische Diagnosen über den biopolitischen Staat, über Gesundheit als Religionsersatz und die zwischen Autonomie und Abhängigkeit changierende Rolle des Patienten dabei sind trotz eines gewissen Überflusses an Gedankenfäden im Buch beunruhigend, findet er. Die Formulierungsverve des Autors und seine extensiven Ausflüge in die Philosophiegeschichte, zu Platon, Bataille u.a., begeistern Wenzel.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 10.09.2022

Die "Philosophie der Sorge" bezieht sich weniger auf Heidegger als auf Foucault, bemerkt Mark Siemons zu Beginn seiner ausführlichen und gelehrten Kritik. Es geht um "Biomacht", wie sie sich zum Missfallen von Philosophen wie Giorgio Agamben in der Corona-Politik westlicher Regierungen manifestiert haben soll. Moderne Gesellschaften, das habe sich auch in dieser Krise mit ihren wild gewordenen Impfgegnern und Corona-Skeptikern gezeigt, sei geprägt vom "Konflikt zwischen aggressiver Selbstbehauptung und institutioneller Fürsorge", so Siemons in den Worten Groys'. Der Philosoph begebe sich dabei auf eine "ziemlich abstrakte Gratwanderung" vorbei an den Gipfelformationen Hegel, Nietzsche, Kojève, um diesen Konflikt zu erkunden. Zu einem abschließenden Ergebnis komme er dabei nicht, er versuche vor allem die Fragen zu umreißen, so Siemons. Aber das Buch ist unterhaltsam, beteuert er.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 08.09.2022

Oha, der russisch-deutsche Philosoph Boris Groys hat sich eine Menge vorgenommen, staunt Rezensent Pascal Fischer: Die gesamte Philosophiegeschichte, die ganze Kulturgeschichte gar will er als Geschichte der Sorge deuten. Bald muss der Kritiker aber ernüchtert feststellen: Wo es um Fürsorge und Selbstsorge, Medizin und staatliche Biopolitik gehen sollte, verstecken sich am Ende doch nur Interpretationen von Groys' "Steckenpferden": In zwölf Kapiteln blicke Groys auf Platon, Hegel, Kojève, Nietzsche, Heidegger, Arendt, schließlich auch Bataille und Fjodorow. Ein paar interessante Analogien, etwa zwischen Kirche und Kulturbetrieb, entnimmt der Rezensent dem Buch zwar schon, insgesamt kann er in dem ungezügelten Fluss an Assoziationen aber nicht erkennen, wie wir unsere Autonomie denn nun zurückgewinnen können.

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