Vorbei sind die Zeiten, als der Börsenhandel noch das Privileg von Maklern und Bankhäusern war. Der neue Mega-Börsentrend aus den USA heißt Day-Trading, der immer mehr Privatanleger auch hierzulande erfasst und kaum Börsenkenntnisse erfordert. Heute kann jeder über den eigenen PC unmittelbar auf Echtzeit- Börsenkurse zugreifen und seine Transaktionen per Mausklick selbst durchführen. Gregory Millman führt die Leser hinter die Kulissen des modernen Goldrauschs und macht ihn hautnah bekannt mit der bunten Schar der Schnäppchenjäger an der Börse: Vom Ex-Börsenhändler über die Schuhverkäuferin bis hin zum Hobbyzocker - sie alle beteiligen sich an der Jagd nach dem schnellen Geld. Eindrucksvoll beschreibt der Autor ein Phänomen, das einige Wenige über Nacht zu Millionären gemacht hat - aber auch dramatische Reaktionen auslöste - vom Freitod bis zum Amoklauf.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.11.2000
Der Rezensent mit dem Kürzel "gab" stellt zunächst einmal klar, dass dieses Buch weniger eine Anleitung zum Day-Trading bietet, sondern sich mehr mit den Hintergründen beschäftigt. So erfahre man einiges über die Ursprünge des Day-Trading, dessen Pionieren es einst gelungen ist, "ein Kartell von Brokern" zu knacken, das Anfang der neunziger Jahre die Kleinanleger durch eine absichtlich groß gehaltene Spannen zwischen Geld- und Briefkursen benachteiligte. Diese großen Spannen gibt es heute nicht mehr, wie der Leser erfährt, was Day-Trading schwieriger macht, weil sie nicht mehr genutzt werden können. Deutlich wird nach Meinung des Rezensenten in diesem Buch auch, welche Unterschiede im Day-Trading es zwischen den USA (vor allem Nasdaq-Aktien) und Deutschland (fast ausschließlich Eurex-Futures) gibt, und um wie viel riskanter Day-Trading hierzulande durch die beschränkte Zugänglichkeit der Orderbücher ist. Nicht zuletzt erfahre man einiges über Day Trading Centres in den USA, über Suchtverhalten, "Verfolgungswahn" der Teilnehmer, über Gefahren und Techniken. Auch die guten Lesbarkeit gefällt dem Rezensenten, wenngleich das Buch "stellenweise ins Seichte zu driften droht".
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