Mit der fortschreitenden Spezialisierung der Wissenschaften wird auch der Ruf nach Interdisziplinarität lauter. Die Begriffsgeschichte wird in diesem Zusammenhang selten oder nie erwähnt. Dabei hat sie fast immer eine interdisziplinäre Ausrichtung gehabt: macht sie doch deutlich, wie verschiedene Disziplinen ihre Begriffe oft aus demselben Sprachmaterial und denselben Traditionsbeständen formen, wie Begriffe nicht an Disziplingrenzen halt machen, sondern mehrere Bereiche durchkreuzen und wie ganze Kulturen durch ein Arsenal leitender Begriffe geprägt sind. Der vorliegende Band macht die Ergebnisse einer internationalen Tagung zugänglich, auf der sich Herausgeber und Mitarbeiter aller gegenwärtigen Großprojekte zur Begriffsgeschichte getroffen hatten, um den interdisziplinären Aspekt dieser Geschichtsschreibung an Beispielen vor Augen zu führen und in seiner Reichweite zu erörtern.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.03.2001
Das "Historische Wörterbuch der Philosophie" nähert sich nach dreißig Jahren seiner Vollendung, dem nach 25 Jahren in den Ruhestand getretenen "koordinierenden Herausgeber" Karlfried Gründer ist dieser auf einem Symposion beruhende Band gewidmet. Den heutigen Sinn der Begriffsgeschichte sehen die Beiträger offensichtlich in der Vorreiterrolle, die sie für akademische Interdisziplinarität gespielt hat und spielt. Hermann Lübbe formuliert es, gewohnt griffig und unpräzise, so: "Brechung der Gegenwartsbefangenheit, Vermittlung von Kontingenzerfahrung, Vergegenwärtigung fremd gewordener Vergangenheiten". Rezensent Ralf Konersmann stimmt ihm zu und betont, dass die Stärke der interdisziplinären Begriffsgeschichte gerade in ihrer unspektakulär längst vollzogenen Praxis der Disziplinenquerung liegt - nicht zuletzt dieser Band, der Beiträger aus Philosophie, Rhetorik, Literatur-, Religions- und Musikwissenschaften versammelt, belege dies.
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