Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.12.2009
Walter Hinck empfindet es als außerordentlich angenehm, dass in Zeiten, in denen die breit ausgewalzte Autobiografie die Regel ist, ein Autor mit autobiografischen Miniaturen von sich erzählt. Guntram Vesper mischt in seinen vier Teilen eigene Erinnerungen mit historischen Schichten, lässt die Erinnerung an eine Schriftstellertagung in Gandersheim beispielsweise mit Hinweisen auf das dortige KZ, in dem einst auch der Ehemann von Marguerite Dumas litt, überlappen. Im dritten Teil sind es der Stalinismus und Trifonow, 1937 hingerichteter Bürgerkriegsheld und Richter, mit dem sich die eigenen Erinnerungen überlagern, erklärt Hinck. Schließlich wird auch die Lust an historischen Kriminalfällen augenfällig, die Vesper in seinen autobiografischen Texten an den Tag legt. Hinck hat den Eindruck, hier handelt es sich um eine besonders listige Technik des Autors, der gerade in der subtilen Zurückhaltung auf sich aufmerksam zu machen weiß. Die dem Buch beigegebenen Linolschnitte von Zoppe Voskuhl imponieren dem Rezensenten als über das bloße Illustrieren des Textes weit hinausgehend. Sie erzählen ganz "eigene Bildgeschichten", die einen Verfremdungseffekt auf die Texte haben, so Hinck angetan.
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