Als Student in den Sechzigerjahren war Janus Emmeran einer der erfolgreichsten Fluchthelfer im geteilten Berlin: Hunderten von Menschen verhalf er durch die Mauer in die Freiheit. Mehr als vierzig Jahre später kehrt Janus in seine Schicksalsstadt zurück. Per Kontaktanzeige lernt er hier die fast 30 Jahre jüngere Colette kennen, Tochter eines linientreuen Hochschulprofessors in der DDR und Inhaberin eines kleinen Verlags. Zwischen den beiden, die verschiedener nicht sein könnten, entwickelt sich eine Amour fou, die bald auch Janus' bewegte Vergangenheit wieder lebendig werden lässt - vom Tag des Mauerbaus am 13. August 1961 bis hin zum Aufbau des Netzes der Fluchthilfe in den Wochen und Monaten danach. Ungeachtet ihrer so verschiedenen Lebensläufe in Ost und West versuchen Colette und Janus zueinanderzufinden. Bald wird ihnen klar, dass es nicht nur die deutsche Vergangenheit ist, die zwischen ihnen steht. Janus wird von einem Freund und ehemaligen Fluchthelfer gebeten, Anisa, eine verfolgte junge Frau syrisch-kurdischer Abstammung, in seinem Haus in der Schweiz zu verstecken. Anisas Schwester wurde von ihrem Vater und ihrem Onkel umgebracht, nun droht Anisa ein ähnliches Schicksal. Und in Janus erwacht aufs Neue der Drang, zu helfen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.11.2018
Rezensentin Lerke von Saalfeld findet das Kunststück, zu zweit einen Roman zu schreiben, hier gelungen. Der Text von Roswitha Quadflieg und dem ehemaligen Fluchthelfer Burkhart Veigel, einerseits eine Fluchthelfergeschichte aus DDR-Zeiten, andererseits die Geschichte einer gescheiterten Liebe, scheint Saalfeld stimmig, das Ineinander der beiden Teile klug konstruiert. Inwieweit die Fiktion im Text die historischen Fakten überflügelt, vermag die Rezensentin nicht zu entscheiden, muss sie auch nicht. Störender findet sie die an den Schluss des Romans gesetzte Reprise. Dass der Protagonist in der Gegenwart des Jahres 2016 wiederum zum Fluchthelfer werden muss, diesmal einer syrischen Asylsuchenden, leuchtet Saalfeld nicht ein. Das Ende wirkt auf sie verkrampft.
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