Kanon Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783985682027 Gebunden, 576 Seiten, 32,00
EUR
Klappentext
Aus dem Russischen von Helmut Ettinger. 1924 betritt Sergej Eisenstein zum ersten Mal einen Schneideraum. In Russland fehlt es an allem: an Drehbüchern, Regisseuren, vor allem aber an Filmmaterial. Stattdessen kauft man im Ausland. Hauptlieferant der Träume in Zelluloid sind Deutschland und die USA, aber diese Filme müssen erst "sowjetisiert" werden. Eisenstein beherrscht diese höchst anspruchsvolle Kunst bald wie kein Zweiter. Er weiß um die Mittel des Films: Was gezeigt wird, wird geglaubt und damit zur Wahrheit. Er schafft furchtbare Propagandafilme - und zugleich Meisterwerke von Weltrang. Doch sein ganzes Leben lang leidet er an einer inneren Zerrissenheit. - Gusel Jachinas literarische Biografie ist ein gründlich recherchiertes Panorama der Zeit, eine faszinierende Charakterstudie und eine augenöffnende Lektüre über das Verhältnis von Kunst und Macht."Gusel Jachina ist eine der bedeutendsten Autorinnen der russischen Gegenwartsliteratur." Ljudmila Ulitzkaja
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.06.2026
Über den Filmemacher Sergej Eisenstein existieren schon etliche Regalmeter Literatur, weiß Rezensent Rainer Moritz, die tatarisch-kasachische Autorin Gusel Jachina hat sich trotzdem das Ziel gesetzt, mit ihrem Roman "mit dem höchstmöglichen Respekt vor der Wahrheit" das Rätsel von "Eisen", wie er von Freunden genannt wurde, zu lösen. Filme wie "Panzerkreuzer Potjomkin" sind mit ihren neuartigen Montagetechniken weltberühmt geworden, Eisensteins Bildsprache ist brutal, löst beim Publikum starke Emotionen aus, vermag sich der Zensur anzupassen oder aber sie geschickt zu umgehen: Jachina schreibt dem Kritiker zufolge manchmal zu ausführlich und in einem Gestus, der den Regiestil Eisensteins zu stark nachahmen will, aber dennoch so kraftvoll, dass er gerne immer weiterliest. Ihm bleiben besonders die Passagen in Erinnerung, in denen die Widersprüche des Regisseurs aufleuchten, die seltsame Beziehung zur Mutter, eine möglicherweise kaschierte Homosexualität, die schlechte Behandlung seiner Geliebten. Dass der Kritiker auch nach der Lektüre das Gefühl hat, immer noch nicht ganz zu wissen, wer dieser Eisenstein nun ist, macht ihm angesichts des beeindruckenden Buches nicht viel aus.
Als "lohnenswert" im Mindesten empfindet Rezensent Enno Stahl die Lektüre von Gusel Jachinas "Eisen" - schon allein deshalb, weil man hier gleich zweierlei Roman in einem erhält: Das opulente literarische Porträt eines großen Künstlers in der Diktator, der sich die schwerwiegende Frage stellen muss: Anpassen oder untergehen? Und zugleich: Ein breites historisches Panorama der Sowjetunion unter Stalin. Der große Künstler, dessen Leben sich Jachina hier aus gebührlicher Distanz, mit viel Ironie, aber nicht ohne Einfühlungsvermögen widmet, ist Sergej Eisenstein, lesen wir: der Filmregisseur, der unter Stalin Filme wie "Panzerkreuzer Potempkin" drehte - Propaganda in politisch-kritischer Hinsicht, Meisterleistungen in künstlerischer Hinsicht. Jachina nimmt Eisenstein aus beiden Perspektiven in den Blick, erkennt seine Leistungen an, befreit ihn aber nicht aus der Verantwortung, schreibt Stahl. Dabei lässt sie sich mitunter zu ausführlichen Beschreibungen seiner filmischen Arbeiten hinreißen, deren Langatmigkeit das Lesevergnügen ein wenig mindert, aber nicht von der Lektüre abhalten sollte, so der Rezensent.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Florian Illies: Träume aus Feuer Tauchen wir ein in die großen Träume eines großen Mannes: Johannes Kunckel ist ein Magier und Alchemist, der daran glaubt, Gold zaubern zu können. Der brandenburgische Kurfürst…