In Guy Helmingers neuem Roman fügen sich zwei Erzählstränge zu einer großen, universellen Erzählung über das, was Menschen antreibt bei ihrer Suche nach Gemeinschaft und dem guten Leben. Im Frühjahr 1828 macht sich eine Gruppe Luxemburger Landbewohner, darunter die selbstbewusste Bauerntochter Josette, auf den Weg in die Welt. Sie lassen Hab und Gut zurück und schließen sich einem Strom von Auswanderern an, die der wechselnden Herrscher und der schlechten Lebensbedingungen überdrüssig geworden sind. Ihr Ziel: Brasilien. Dort werden Menschen gebraucht, so heißt es, dort könne man neu beginnen. 170 Jahre später, kurz vor der Wende zum 21. Jahrhundert, kommt das Mädchen Tiha mit ihrer Mutter und anderen montenegrinischen Flüchtlingen nach Luxemburg-- auch sie haben ihre Heimat aufgegeben und sind einem vagen Versprechen gefolgt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.03.2011
Die Gemeinsamkeiten der beiden Handlungsstränge in diesem Roman von Guy Helminger findet Andrea Diener schnell heraus. Und schnell merkt sie auch, worum es dem Autor zu tun ist: Nicht um die kleinen Bewegungen geht es ihm, sondern um Makrostrukturen, um das allgemein menschliche Verlangen nach einem besseren Leben und wie sich die Figuren als Flüchtlinge oder hoffnungsvolle Auswanderer über die Landkarte Europas bewegen. Dass Helminger die beiden Teile seiner Erzählung dabei sehr ungleich behandelt, im historischen Rückblick auf die "Neubrasilianer" sehr liebevoll und genau, im Blick auf die Gegenwart in Helmingers Heimatstadt Luxemburg eher beiläufig und wenig differenziert, sieht Diener zwar kritisch, ebensogut kann sie es aber ausblenden "wie der Autor selbst".
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