Aus dem Niederländischen übersetzt von Arne Braun. Hagar Peeters Erzählerin erlaubt sich einiges. Aber das darf sie auch, schließlich beobachtet sie das Geschehen aus dem Jenseits und kennt von jeder Geschichte schon das Ende. Doch die ihres berühmten Vaters Pablo Neruda erzählt sie hier ganz neu:
Die Ehe ihrer Eltern, die Trennung von seiner ersten Frau und der Tochter Malva und auch sein Ruhm als Dichter in Lateinamerika und der Welt erscheinen in einem neuen Licht, wenn seine Tochter zu Wort kommt. Im realen Leben wurde Malva Marina Trinidad del Carmen Reyes nur acht Jahre alt, da sie mit einem Hydrozephalus zur Welt kam und bis zu ihrem frühen Tod gesundheitlich beeinträchtigt war. Bald nach der Geburt entzog sich ihr Vater Neruda aller Verpflichtungen, wollte sich mit ihrer Erkrankung nicht belasten.
In einem surrealistischen Jenseits umgibt Malva sich mit Personen, mit denen sie das Verhalten ihres Vaters und ihr eigenes Schicksal bespricht - Ausnahmegestalten wie sie selbst: Oskar Mazerath trommelt den Takt zu ihrer Erzählung, Goethe und Roald Dahl trösten väterlich, die Kinder von James Joyce und Arthur Miller sind ebenfalls von ihren Vätern abgelehnt worden. Ein vielstimmiges Gespräch über Kunst, Philosophie, "Normalität" und Schuld, in dem die zu Wort kommen, die zu Lebzeiten überhört wurden.
Peeters verbindet akribische Recherche mit Witz und der Lust am Fabulieren - ein hochliterarischer Roman mit einer unvergesslichen Protagonistin.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.04.2019
Oliver Jungen hat seine Einwände gegen das Buch der Lyrikerin Hagar Peeters. Als kluges, rührendes Lehrstück über öffentliche und private Moral taugt ihm der seiner Meinung nach genremäßig schwer einzuordnende Text aber dennoch. Wenn die Autorin in einer Mischung aus Poesie, Psychologie und Trauer die vom Vater verstoßene Tochter Pablo Nerudas Anklage gegen ihr Schicksal erheben lässt, emotional, tragisch, von den politischen Ereignissen, dem Spanischen Bürgerkrieg, dem Faschismus und dem Militärputsch in Chile kaum berührt, staunt Jungen über den Witz und die Sensibilität der Autorin. Wenig überzeugend findet er die Parallelisierung mit Schicksalen anderer "Literatensprösslinge" und die teilweise "Kaperung" der Rede durch die Autorinnenstimme. Beides nimmt dem Hauptstrang der Erzählung die Dramatik, findet der Rezensent.
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