Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.12.2002
Hajrija Hrustanovics autobiografische Aufzeichnungen "Nichts ist vergangen" haben den Jdl. zeichnenden Rezensenten sehr beeindruckt. War der Balkan in den letzten Jahren vor allem politischer Schauplatz einer Literatur der Kriegsanklage oder der nationalen Selbstvergewisserung war, erscheint er für den Rezensenten hier als privater Ort, in dem der Krieg nur am Rande vorkommt. Im Mittelpunkt steht laut Rezensent die skizzenhafte Beschreibung eines Lebens, "in dem die Kränkung am Ende zur Krankheit führt". Hrustanovic erzähle ihr Leben im Tonfall distanzierter Beteiligung, lapidar würden Szenen der Erinnerung niedergeschrieben, die sich zu einer Chronologie reihten, die nicht von zeitlicher Abfolge, sondern von privater Dringlichkeit bestimmt werde, erklärt der Rezensent: "Hrustanovics plastische Bilder wechseln vom Erwachsenenalter in die bosnische Kindheit und wieder zurück in die Gegenwart". Ihre "stille Wut", so das Resümee des Rezensenten, sei zur "großen literarischen Rechtfertigung" geworden.
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