Claassen Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783546101745 Gebunden, 176 Seiten, 23,00
EUR
Klappentext
Was ist Liebe? Sie ist der goldene Faden, der unsere Herzen miteinander verbindet. Han Kang stellt in ihrem Werk fundamentale Fragen mit der Klarheit eines Menschen, der noch nicht verlernt hat, das Leben auf diese grundsätzliche Art zu betrachten. Warum ist die Welt durchzogen von Gewalt? Wie kann es sein, dass sie dabei so schön ist? Wenn Menschen töten können, wie können sie zugleich ihr Leben für andere geben? Die Nobelpreisträgerin setzt sich der Gegenwart der Geister menschlicher Gewalt aus, um etwas jenseits dieser Gewalt zu finden: etwas Sanftes, Helles, das uns miteinander verbindet. In einem Gedicht, das sie als junges Mädchen schrieb und viele Jahre später in einem Schuhkarton wiederfand, stellt sie sich diese Verbindung als einen "goldenen Faden" vor. Dieser Faden, schreibt sie, ist nichts anderes als die Literatur selbst: eine Sprache, die unsere separaten Innenwelten ergründen und miteinander zu verknüpfen vermag. Die Texte dieses Bandes, darunter ihre Nobelpreisrede, vertiefen und erhellen diesen Gedanken. Sie münden in Tagebucheinträge über ihren kleinen, nach Norden weisenden Garten in Seoul, in dem sie Spiegel aufgestellt hat: Während die Erde sich um ihre eigene Achse dreht, richtet sie die Spiegel Stunde um Stunde neu aus, um den Garten mit Licht und damit Leben zu versorgen.
Rezensent Ulrich Rüdenauer bewundert Han Kang für ihre Romane, die sich stets existenziellen Fragen um Menschlichkeit und Gewalt widmen, nun kann er in einem neuen Band nachlesen, wie sie selbst über ihr Schreiben denkt. Der erste Teil des Buches umfasst verschiedene Texte, die im Zusammenhang mit ihrem Nobelpreis entstanden sind: Sie erzählt davon, wie sie als Kind Gedichte geschrieben hat und seitdem Fragen über das Verhältnis von individuellen Schicksalen zum großen Ganzen immer gegenwärtig waren. Etwas schlicht muten ihre poetologischen Erkenntnisse schon an, findet Rüdenauer, aber genau diese Schlichtheit ist eben typisch für Kang, die sich auf das Wesentliche konzentriert. Das zeigt, neben einigen Gedichten im Mittelteil, auch der letzte Teil des Buches, in dem sie von ihrem Garten erzählt: Der liegt leider auf der Nordseite ihres Hauses, mithilfe von Spiegeln versucht sie, Sonnenlicht auf ihre Schneeballhortensien und Funkien zu bekommen - ziemlich Zen, wie der Kritiker findet. In diesen Zeilen verhandelt die Autorin die Frage, wie wir als Menschen unseren Platz in der Natur finden - und vielleicht richtet sie mit dem Spiegel nicht nur Sonne auf die Pflanzen, sondern mit ihrem Schreiben auch unseren Blick auf das Wesentliche, schließt er.
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