Won-pyung Sohn

Mandel

Roman
Cover: Mandel
Blumenbar Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783351051266
Gebunden, 224 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Koreanischen von Sebastian Bring. Der Junge Yunjae ist ein Außenseiter. Eine angeborene Erkrankung macht es ihm schwer, Gefühle wie Angst, Freude oder Wut zu empfinden. Als er von einem Tag auf den anderen auf sich allein gestellt ist, wächst er über sich hinaus, schließt überraschend Freundschaft und weckt Kräfte in sich, die er nie für möglich gehalten hätte …

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 28.11.2024

Won-pyung Sohns Protagonist Yunjae hat eine zu kleine Amygdala, der Teil des Gehirns, der emotionale Reaktionen mitsteuert, erklärt Rezensentin Marie Schoeß. Deshalb kann er die Gefühle anderer weder erkennen noch verstehen. Das sorgt unter anderem dafür, dass ein Kind zu Tode geprügelt wird. Weil Yunjae auf die Erwachsenen, die er zu Hilfe rufen will, einfach viel zu entspannt wirkt, versucht seine Mutter, ihm Gefühle anzutrainieren - allerdings vergebens. Schoeß findet das besonders deshalb reizvoll, weil Gefühle eben nunmal auch sozial bestimmt sind und Romane als Labore dienen können, um sie zu erlernen. Das ist anspruchsvoll konstruiert, findet sie, aber leider kann die kraftlose Sprache Sohns das nicht so recht auffangen, wird resümiert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.11.2024

Mit dem südkoreanischen Autor Won-pyung Sohn erlebt Rezensent Steffen Gnam die Geschichte einer Alphabetisierung in der Sprache der Gefühle, der Empathie und der geistigen Nähe. Der neurodiverse Yunjae leidet an einer Krankheit, die ihn gegen Gefühle - eigene und fremde - immun macht. Nur im Gespräch mit dem Waisenkind Gon oder gemeinsam mit der fantasiebegabten Schülerin Dora betritt er das Universum der Emotionen. Gelungen und herzerwärmend verhandelt dieser "luzide Roman" für den Rezensenten Themen wie Konformismus, Befreiung oder die Entmachtung von Vorurteilen und Normalität. Schließlich freut sich Gnam auch über den intertextuellen Charakter des Buches, in dem er Anklänge an Salingers oder Fromms Porsa spürt, und lädt jeden und jede ein, dieses Buch als "Anleitung zum Wiedererlernen echter Gefühle" zu lesen.

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